Razzia in Berlin : Terrorverdächtiger ist führender Kopf der Fussilet-Moschee

Einer der drei mutmaßlichen IS-Terroristen, die am Dienstag verhaftet wurden, war nicht nur einfacher Besucher der Moschee in Moabit. Ein zweiter gehörte einem inzwischen verbotenen Salafisten-Verein an.

Der Eingang zur Fussilet-Moschee in Moabt. Der Verein könnte vielleicht bald verboten werden.
Der Eingang zur Fussilet-Moschee in Moabt. Der Verein könnte vielleicht bald verboten werden.Foto: Christian Mang/Reuters

Bei den drei Männern, die die Polizei Dienstagabend in Berlin festgenommen hat, handelt es sich laut Tagesspiegel-Informationen um einen Deutschmarokkaner und zwei Türken. Einer der Türken, ein 31-Jähriger, gilt als führender Kopf der Fussilet-Moschee. In der Gebetsstätte hatte sich mehrmals auch Anis Amri aufgehalten – zuletzt sogar kurz vor dem Anschlag vom 19. Dezember auf dem Breitscheidplatz. Einschlägig bekannt ist den Sicherheitsbehörden auch der 21 Jahre alte Deutschmarokkaner. Die Polizei war bereits im November 2016 bei ihm angerückt und hatte seine Wohnung durchsucht.

Der Mann soll dem Verein „Die wahre Religion“ angehört haben, den Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am 15. November verbot. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hat der 2005 gegründete Verein mindestens 140 Salafisten zur Ausreise nach Syrien und Irak animiert. Die Männer sollen im Kriegsgebiet für den IS und andere dschihadistische Milizen gekämpft haben.

Der Deutschmarokkaner und womöglich auch die zwei Türken sollen zumindest an einer versuchten Schleusung von Salafisten in Richtung Syrien beteiligt gewesen sein. Anfang Dezember wurde auf der Balkanroute, allerdings in Richtung Türkei, ein Wagen mit vier Salafisten gestoppt, die von Berlin aus mutmaßlich zum IS fahren wollten.

Mit der jetzt erfolgten Festnahme des Deutschmarokkaners und der zwei Türken rückt offenbar auch ein Verbot des Fussilet-Moscheevereins näher. Schon seitdem die Verbindungen von Anis Amri zum Salafistentreffpunkt bekannt wurden, prüfen die Sicherheitsbehörden, ob der Verein aufgelöst werden kann.

Ausbildung mit Waffen und Sprengstoff beabsichtigt

Die Polizei hatte am Dienstag die Wohnungen der drei Verdächtigen sowie die "Fussilet 33" durchsucht. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte Haftbefehle gegen die drei wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat erwirkt. Die Salafisten im Alter von 21, 31 und 45 Jahren sollen versucht haben, in die syrisch-irakische Konfliktregion auszureisen, um sich dort der Terrormiliz „Islamischer Staat“ anzuschließen.

Nach Erkenntnissen von Polizei und Generalstaatsanwaltschaft wollten sich die Männer beim IS im Umgang mit Waffen und Sprengstoff ausbilden lassen. „Ziel war es, einschlägige Gewalttaten, insbesondere Tötungsdelikte zu begehen und damit bestehende staatliche Strukturen zu destabilisieren“, teilten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft mit.

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