Berlin : Razzien gegen Drogenhändler Polizei behält auch Rocker im Visier

Wohnungen in Potsdam und Berlin durchsucht.

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Foto: dpa/Nestor Bachmann
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Potsdam - Brandenburgs Sicherheitsbehörden gehen nach mehreren Razzien gegen kriminelle Rockerbanden nun weiter verstärkt gegen Drogenhändlerringe vor. Einhundert Polizeibeamte durchsuchten seit den frühen Morgenstunden am Dienstag mehrere Wohnungen in Potsdam, dem Potsdamer Umland und Berlin. Betroffen von der Razzia war erneut das örtliche Vereinsheim des Rockerclubs Hells Angels in Potsdam, der sich gerade erst vor eineinhalb Wochen nach mehreren Razzien aufgelöst hatte. In einer Berliner Wohnung fanden die Ermittler das Schild vom Clubhaus der verbotenen „Hells Angels Berlin City“ in Reinickendorf und beschlagnahmten es.

Anlass für die neue Durchsuchung ist ein Verfahren der für organisierte Kriminalität zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) und der Staatsanwaltschaft Potsdam gegen eine Bande, die Drogenhandel im großen Stil mit Amphetamin betreibt, also mit der Partydroge Speed.

Es gebe zwar einzelne Bezüge zu kriminellen Rockern, hieß es aus Ermittlerkreisen. Jedoch richte sich dieses Verfahren vorrangig nicht gegen Rockerkriminalität. Allerdings gehört der Drogenhandel zu den wichtigsten Geschäftsfeldern der Rocker. Erst Anfang Juni hatte die Polizei in Berlin und Brandenburg 80 Wohnungen von Mitgliedern und Sympathisanten der Bandidos, also den Rivalen der Hells Angels, durchsucht und dabei eine Drogenküche zur Speedproduktion ausgehoben. Auch in diesem Verfahren ging es um banden- und gewerbsmäßigen Drogenhandel. Mehrere Männer sitzen seither in Untersuchungshaft.

Bei der Razzia am Dienstag standen sechs Männer einer Drogenbande im Visier der Ermittler, zwei davon waren Mitglieder der Potsdamer Hells Angels. Um sechs Uhr morgens rückten die Drogenfahnder des brandenburgischen Landeskriminalamtes (LKA), Kräfte einer Einsatzhundertschaft und Beamte mit fünf Drogenspürhunden am Dienstag an. In Potsdam wurden drei, im Potsdamer Umland sieben Wohnungen und in Berlin eine Wohnung durchsucht. Ein Mann wurde vorläufig festgenommen. Die Beamten fanden Unmengen an Drogen, darunter Speed und Marihuana „im oberen Hundertgramm-Bereich“, und über 50 Ampullen Testosteron. Zudem wurden Mobiletelefone, Notebooks, Datenträger und fast 100 000 Euro aus einem Tresor beschlagnahmt, daneben Macheten, Druckluftgewehre, 20 Axtstiele, ein Bajonett, Sturmhauben und Handschuhe mit Schnitt- und Stichschutz.

Nach dem Verbot der Hells Angels in Berlin, Übertritten von Bandidos zu den Potsdamer Hells Angels sowie Clubauflösungen ist die Rockerszene in der Region enorm in Bewegung geraten. Die Lage sei unübersichtlich, heißt es aus Ermittlerkreisen. Mitte Juni hatte ein Unbekannter den Chef der Hells Angels Nomads, Andre Sommer (47), angeschossen. Er liegt noch immer im Weddinger Virchow-Klinikum, bewacht von der Polizei. Von dem Schützen fehlt weiter jede Spur. Die Hintergründe sind unklar, es gibt aber Hinweise auf Streitigkeiten im Rotlichtmilieu, interne Konflikte oder mit den Bandidos sind aber nicht auszuschließen.

Neben dem Drogenhandel zählen Geschäfte in der Türsteherszene und im Rotlichtmilieu zu den Einnahmequellen der Rocker, was regelmäßig Auslöser für gewalttätige Revierkämpfe zwischen Hells Angels und Bandidos war. Seit geraumer Zeit fahren die Sicherheitsbehörden eine Null-Toleranz-Strategie gegen die Rocker. „Wir gehen gegen alles vor und führen wegen aller möglichen Verstöße Verfahren, vom Fahren ohne Führerschein bis zum Drogenbesitz“, sagte ein Ermittler. Alexander Fröhlich

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