RBB-Debatte : Die 13 kleinen Parteien der Berlin-Wahl im Fokus

13 kleine Parteien stellten sich der Befragung im RBB. Die Piraten patzten, für die Kommunisten und die NPD gab es Kontra.

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Inhalte überwinden. „Die Partei“ des Satirikers Martin Sonneborn stach durch unerschütterliche Ironie hervor. Das unterschied sie von allen anderen Kleinparteien. Screenshot: Tsp
Inhalte überwinden. „Die Partei“ des Satirikers Martin Sonneborn stach durch unerschütterliche Ironie hervor. Das unterschied sie...

Die Verschuldung Berlins? „Viele Millionen Euro...“ Och nee, gleich verpatzt, den Einstieg in das TV-Kurzverhör. Die Schuldenhöhe von über 60 Milliarden kannten die anwesenden Gymnasiasten besser. Der Spitzenkandidat der Piraten, Andreas Baum, tappte nervös durch das Wahlprogramm seiner Partei und gleich in die Fallen der Interviewer.

Die zweite Runde der RBB-Wahlsendung, diesmal zu 13 kleinen Parteien, brachte mehr Überraschung und Unterhaltung als die vorangegangene Elefantenrunde der Etablierten. Die Fragen der Gymnasiasten waren diesmal gut vorbereitet und klar vorgetragen, und die Moderatoren des RBB, Cathrin Böhme und Sascha Hingst, hatten sich Zitate aus den Wahlprogrammen gepickt, die auf das zweifelhafte Weltbild vieler Kandidaten abzielten. „Eine ganze Menge Holz“, sagte Hingst unfreiwillig doppeldeutig.

Die Piraten sind eine nicht mehr ganz so kleine Partei mit innovativen Ansätzen in ihren Kernthesen, nur ließ sich ihr Spitzenkandidat schnell aufs Glatteis führen. Schwarzfahrer entkriminalisieren, um Geld für Gefängnisplätze zu sparen, Rauschunterricht in der Schule anbieten, das sind Randgebiete des Piratenprogramms, mit denen sie vorgeführt wurden – zu Recht. Ein Profi hätte schnell relativiert, aber Baum ist eben keiner. Das bringt zwar Sympathie, aber wenig Überzeugung beim Wähler.

Wirklich herausragend war an diesem Abend der Satiriker Martin Sonneborn von der „Partei“. Entwaffnend gab er die Parole aus: „Inhalte überwinden.“ Mit der FDP würde er nicht koalieren, „weil wir nicht mit Spaßparteien zusammen gehen“.

Ansonsten folgte ein Potpourri der Kuriositäten und Spartenforderungen. Die Tierschutzpartei will mehr Auslaufgebiete für Hunde und weniger Fleischverzehr, die Partei Rechtsstaatliche Offensive heißt jetzt Konservative Partei, hat aber immer noch krude Thesen und wenig Mitglieder.

Es folgte die DKP (200 Mitglieder, 0,1 Prozent Wählerstimmen) mit einem Direktkandidaten in Friedrichshain-Kreuzberg, den ein Gymnasiast richtig in die Mangel nahm. „Nennen Sie mir ein Beispiel, wo der Kommunismus funktioniert hat, ohne in grausame Methoden abzugleiten?“ DKP-Kandidat: „Es hat noch keinen Kommunismus gegeben.“ Na dann ist ja alles okay.

Die Deutsche Demokratische Partei (80 Mitglieder) will alles kostenlos anbieten, was der Bürger gemeinhin zu bezahlen hat. Mit einem „Bandbreitenmodell“ und einer „Geldlawine“. Da ist wohl noch Nacharbeit beim Zuschauer einzufordern. Immerhin haben wir gelernt, dass Wärmedämmung nur Geldmacherei ist und der Klimawandel ein Hirngespinst.

Die Freiheitspartei des islamophoben CDU-Abweichlers René Stadtkewitz will weiterhin die Vollverschleierung in Berlin verbieten und Geert Wilders aus den Niederlanden einfliegen lassen. Der Abend bewegte sich unweigerlich auf die NPD mit ihrem Spitzendemagogen Udo Voigt zu. Der bekam von Moderator Hingst ordentlich Saures aufgetischt, so dass es ihm ausnahmsweise fast die Sprache verschlug.

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