re:publica 2015 in Berlin : Auf der digitalen Spielwiese

Bei der diesjährigen re:publica ist mehr los denn je – da fürchten manche, etwas zu verpassen. Ein Besuch bei tausenden Enthusiasten in einer vernetzten Welt.

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Am Tor zu einer anderen Welt. Wer das grüne Bändchen trägt, darf auf die re:publica 2015.
Am Tor zu einer anderen Welt. Wer das grüne Bändchen trägt, darf auf die re:publica 2015.Foto: flickr.com/photos/re-publica

Wer es endlich geschafft hat und ein grünes Bändchen am Arm trägt, der tritt ein in eine andere Welt. Durchschreitet unter mystisch anmutender Musik einen Gang mit rot-blauem Licht und passiert einen weiß gekalkten Raum, an dessen Wand eine riesige Europakarte projiziert ist. Und kommt dann an unter einem Dach aus Glas und Stahl eingefasst von Backsteinwänden.

Hier in der Station Berlin, ehemals bekannt als Postbahnhof, findet sie statt: die re:publica 2015, eine der größten Internetkonferenzen Europas. Von Dienstag bis Donnerstag diskutieren 6000 Teilnehmer mit mehr als 800 Sprechern auf 17 parallelen Bühnen. Dabei geht es etwa um digitale Überwachung, Lügen im Internet und die Lage der Netzgemeinde.

Gegründet 2007 als Bloggertreffen entspricht hier vieles noch den gängigen Klischees: Da sind die Nerds, die sich mit Macbook auf den Knien über die nächsten Veranstaltungen informieren. Die Blogger, die während der Vorträge im Minutentakt ihre Eindrücke in die Welt hinaus twittern. Und die Netzaktivisten, die sich leidenschaftlich für Netzneutralität und Datenschutz engagieren. Doch glaubt man denen, die hier schon seit Jahren herkommen, hat sich vieles geändert – nicht unbedingt zum Schlechten.

"Du wirst mittlerweile erschlagen von Vorträgen"

„Das W-Lan ist besser geworden“, sagt der 33-jährige Chris. Er war 2010 das erste Mal auf der re:pulica, die Konferenz gehört für ihn fest zum Jahresprogramm. Chris trägt ein graues Basecap, Kapuzenjacke und um den Arm eine Smart Watch. Viele würden ihn wohl als Teil der viel zitierten „Netzgemeinde“ bezeichnen, er selbst sagt: „Ich nutze einfach Onlinemedien. Fertig.“

Wer zur re:publica kommt, hat die Qual der Wahl: Insgesamt 800 Redner stehen auf dem Programm.
Wer zur re:publica kommt, hat die Qual der Wahl: Insgesamt 800 Redner stehen auf dem Programm.Foto: flickr.com/photos/re-publica

Chris steht mit seinen Freunden im Kreis im Hof der „Station“ und berät über das Programm. „Du wirst ja mittlerweile erschlagen von Talks“, sagt Chris. Mehrere davon finden gleichzeitig statt – früher als die re:publica noch in der Kalkscheune in Berlin-Mitte stattfand, sei das deutlich übersichtlicher gewesen. Die Besucherzahl hat sich seitdem fast verzehnfacht. „In den Anfangsjahren war das wie ein Klassentreffen, jetzt ist es schlichtweg eine Konferenz“, findet er.

Davon zeugen nicht nur fast 200 Euro teure Tickets, sondern auch die Männer in Hemd und Sakko und die Frauen in hellen Blusen, die sich in die Menge gemischt haben. Was vielen außerdem auffällt: die vielen Eltern, die mit ihren Kindern angereist sind. Inmitten der aus grauen Quadern gebauten Sitzlandschaft ist eine Spielfläche eingeschlossen – ein Bällebecken, Bauklötze und Bücherstapel stehen herum. Die Spielwiese ist eine Premiere für die re:publica. Asta, die selbst einen Vortrag zu Videos im Netz halten wird, lässt ihre beiden drei- und sechsjährigen Kinder dort herumkrabbeln. Währenddessen studiert sie das re:publica-Programm. „Dass es so ein Angebot gibt, ist ja überfällig“, sagt sie.

"Das Gefühl, man verpasst was"

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Mitbegründer der re:publica, Markus Beckedahl, während der Eröffnung am Dienstag.
re:publica: Wir brauchen eine Willkommensgesellschaft

Die 25-jährige Maria ist zum ersten Mal dabei – sie hat sich als Helferin gemeldet, um den Eintrittspreis zu sparen. Im blauen T-Shirt steht sie an einem der messeartigen Stände in der Haupthalle, hinter ihr wird gerade ein 3D-Drucker gebaut. „Hier passiert so viel, man bekommt das Gefühl, man verpasst was“, sagt sie. Doch der jungen Frau mit dem roten Kurzhaarschnitt gefällt das Gewusel hier, sie findet, die Veranstaltung passe zu Berlin mit seiner Start-Up-Szene und den Medienagenturen. „Die Stimmung ist sehr familiär, jeder trägt ein Namensschild um den Hals – da ist es einfach, Leute kennen zu lernen.“

Vernetzt sind die meisten der Besucher zudem über Twitter. Dort tauschen sie sich über die Konferenz aus, #rp15 ist der Hashtag der Tage. In der Haupthalle laufen die Tweets dazu auf einem großen Bildschirm ein. „Die Session über Wearables ist leider nicht so spannend wie erwartet :/ #rp15“, schreibt da Chris – er bekommt sofort eine Antwort.

Lesen Sie hier den Text zum Treffen mit Netflix-Chef Reed Hastings, der auf der an die re:publica angeschlossenen Media Convention sprach.

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