Berlin : Reaktion auf den Terror: "Übelste Form rechtsextremer Hetze"

Frank Jansen

Der Regierende Bürgermeister ist entsetzt. Die in den letzten Tagen von Neonazis geäußerte Freude über die Anschläge in den USA sei "menschenverachtend und die übelste Form rechtsextremer Hetze", sagte Klaus Wowereit am Sonntag dem Tagesspiegel. Wer Terrorismus gutheiße oder glorifziere und antiamerikanischen sowie antiisraelischen Hass schüre, "stellt sich außerhalb unserer Gesellschaft", betonte Wowereit. In der vergangenen Woche hatte, wie berichtet, der für die NPD tätige Anwalt Horst Mahler die Terrorwelle als "eminent wirksam und damit rechtens" bezeichnet. Funktionäre der NPD verkündeten, jetzt sei "Schluss mit der amerikanischen Selbstherrlichkeit" und verhöhnten die USA mit den Worten "Wer Wind sät, wird Sturm ernten".

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Am Wochenende ging es weiter: Unbekannte schmierten an zwei Baracken im einstigen KZ Dachau Parolen wie "Amis sind Kriegsverbrecher" und "Jud verrecke". In Stralsund störten Rechtsextremisten eine Gedenkveranstaltung für die Opfer in den USA und verbrannten eine amerikanische Fahne. Der Neonazi-Anführer Christian Worch rief am Sonnabend bei einem Aufmarsch in Frankfurt (Oder): "Wollt ihr den totalen Krieg?" Diese Frage hatte 1943 Joseph Goebbels bei seiner berüchtigten Kriegsrede im Berliner Sportpalast gestellt.

Der Vorfall in Frankfurt (Oder) hat Wowereit in hohem Maße empört: "Gerade haben wir in Berlin das Jüdische Museum eröffnet - da ist es besonders perfide, wenn jetzt Nazi-Parolen aus dem Sportpalast ertönen." Als "außerordentlich besorgniserregend", empfindet der Regierende Bürgermeister außerdem die Ankündigung von NPD und Neonazis, am 3. Oktober, dem Tag der Einheit, über den Kurfürstendamm zu marschieren. Angesichts der rechtsextremen Sympathie für den Terror gegen die USA sei stärker noch als früher schon zu befürchten, "dass Berlins Ansehen geschädigt wird".

Unterdessen hat Bundesinnenminister Otto Schily angedeutet, die Äußerungen aus der NPD zu den Anschlägen in den USA seien "Hinweise, die unseren Verbotsantrag noch stützen können".

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