Berlin : Reaktionen auf den Terror: Das Ende einer Trittbrettfahrt

kf

Die Studentin hielt die Idee offenbar für witzig: Sie füllte zwei Kuverts mit Puderzucker, schickte eines an ihren Bruder in Berlin und eines an ihre Freundin in Nordrhein-Westfalen. Als der Brief dann Mittwoch früh gegen 2 Uhr im Tempelhofer Postverteilungszentrum über das Band lief, lösten die Mitarbeiter Alarm aus. Um 5 Uhr nahmen Polizisten die 28-Jährige in ihrer Wohnung in Münster fest.

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Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Die Serie milzbrandverdächtiger Briefe in Berlin reißt nicht ab. Am Mittwoch ging unter anderem im Sitz des Zentralrats der Juden in Deutschland ein solches Schreiben ein. Insgesamt sind seit Mittwoch vergangener Woche in Berlin über 50 Milzbrand-Drohbriefe registriert worden. Allein im Lauf des gestrigen Tages zählte die Polizei 13 Stück. In allen Fällen habe es sich bei dem Inhalt um ungefährliche Substanzen gehandelt. Das Gesetz zeigt für die zweifelhaften Scherze kein Verständnis: Es sieht eine Höchststrafe von drei Jahren Haft vor.

Die ertappte Frau aus Münster muss jetzt auch damit rechnen, für die durch den Einsatz von Polizei und Feuerwehr entstandenen Kosten belangt zu werden. Die Ermittler hatten sie noch in der Nacht über ihren 31-jährigen Bruder ausfindig gemacht. Die Studentin gab bei ihrer Vernehmung an, sich keinerlei Gedanken darüber gemacht zu haben, dass sie mit dem Versenden der zwei Briefe möglicherweise eine Straftat begehen könnte. Die Schreiben waren bereits eingesteckt, als sie beim Lesen der Zeitung eines Besseren belehrt wurde. Deshalb rief sie noch am Dienstag ihren Bruder in Wilmersdorf und ihre Freundin an, um die Beiden vor dem schlechten Scherz zu warnen. Die junge Frau wurde nach der Vernehmung wieder entlassen. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen sie ein Verfahren wegen Störung des öffentlichen Friedens ein.

Laut Post-Sprecherin Barbara Scheil hat der Zwischenfall im Berliner Postverteilzentrum "keine Beeinträchtigung für die Kunden" verursacht. Andere Städte kamen nicht so glimpflich davon: In Offenbach, Mannheim und Göttingen haben vermeintliche Milzbrand-Briefe am Mittwoch zu erheblichen Verzögerungen bei der Postzustellung geführt. Bundesweit wurden in sieben Verteilerzentren verdächtige Briefe entdeckt und die Sortierbänder gestoppt. Nach Angaben der Post seien dadurch schätzungsweise 700 000 Briefe liegen geblieben. Mehr als ein Ärgernis, aber im Verhältnis doch nur ein minimaler Teil, sagt Sprecherin Scheil. "Die Post transportiert schließlich täglich im Schnitt 72 Millionen Sendungen."

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