Reaktionen auf die Ernennung : "Wir sollten ihn erstmal machen lassen"

Ein Opus-Dei-Mann für den Berliner Bischofsstuhl? Wie Katholiken und Politiker auf die Ernennung des neuen Erzbischofs Rainer Maria Woelki reagieren.

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Mit ihm hatte keiner gerechnet: Rainer Maria Woelki galt nicht als Favorit als neuer Erzbischof von Berlin.
Mit ihm hatte keiner gerechnet: Rainer Maria Woelki galt nicht als Favorit als neuer Erzbischof von Berlin.Foto: dpa

Bistumssprecher Stefan Förner verteilte bei der Pressekonferenz am Sonnabend ein Informationsblatt mit dem Lebenslauf von Rainer Maria Woelki, dem neuen Erzbischof. Darauf steht, dass er Kaplan in Neuss war, Sekretär des Kölner Kardinal Meisner, Leiter des Kölner Priesterseminars und eben auch dass er an der Universität Santa Croce in Rom promoviert hat, die von Opus Dei geleitet wird. Opus Dei ist eine katholische Geheimorganisation. Kritiker werfen ihr vor, Mitglieder in ein rigides Lebens- und Kontrollsystem zu pressen.

Warum ausgerechnet dort? Was hat er von dort mitgenommen? Man hätte Rainer Maria Woelki gerne viele Fragen gestellt am Sonnabend. Doch er war nicht da. Erst am Dienstag will sich Woelki den Berliner Journalisten vorstellen. So versuchten Berlins Weihbischof Matthias Heinrich und Dompropst Stefan Dybowski ihr Bestes, um die Befürchtungen hinsichtlich des neuen Berliner Erzbischofs auszuräumen und die Fragen zu beantworten, aber möglichst ohne etwas Konkretes zu sagen.

Er sei ein guter Seelsorger, betonten die beiden immer wieder und dass man „nicht mit Klassifikationen anfangen“ sollte. „Wir sollten ihn erst mal machen lassen“, sagte Weihbischof Heinrich. Woelki sei jemand, der weiß, was er will, aber auch jemand, der sich flexibel auf neue Situationen einlasse. „Er wird sicherlich neuen Wind ins Erzbistum bringen“, sagte Heinrich, „das haben sich ja auch viele gewünscht“.

„Woelki?“, fragten Katholiken aus Kreuzberg überrascht. Sie waren in die Hedwigs-Kathedrale gekommen, um zu hören, wer der Neue ist. „Woelki? So heißt mein Bäcker.“ Mehr fiel ihnen zu dem Namen nicht ein. „Wir sind schon ein bisschen enttäuscht, dass sie uns hier so einen völlig unbekannten Mann herschicken. Ist unser Erzbistum so wenig wert?“, sagte ein Paar aus Schöneberg.

Auch Wolfgang Klose hatte von Weihbischof Woelki aus Köln noch nichts gehört. Klose ist der Diözesanratsvorsitzende in Berlin, der oberste Vertreter der Berliner Katholiken. „Sowohl für den neuen Bischof als auch für uns als Diözesanrat wird die Zukunft eine Herausforderung werden“, sagte Klose. Woelki als Rheinländer sei an eine ganz andere Religiosität gewohnt als sie hier in Berlin, in der Diaspora, gelebt werde. Er wolle auch gleich beim ersten Treffen mit Woelki „intensiv nachfragen“, was es mit den Gerüchten auf sich habe, dass Woelki Opus Dei nahe stehe. Dass der neue Mann ein Vertrauter des Kölner Kardinals Meisner ist, kommentierte Klose mit dem Hinweis, „dass man sich in einem neuen Amt auch freischwimmen könne“.

Mit Rainer MariaWoelki und Matthias Heinrich stehen künftig zwei Schüler des Kölner Kardinals an der Spitze des Berliner Bistums. Vielen Berliner Katholiken ist Meisner noch aus seiner Amtszeit als Berliner Erzbischof bekannt. Viele denken mit unguten Erinnerungen an die Zeit zurück.

Erklärungsbedarf. Weihbischof Matthias Heinrich erläutert das Votum. Foto: dapd
Erklärungsbedarf. Weihbischof Matthias Heinrich erläutert das Votum. Foto: dapdFoto: dapd

Der engagierte Berliner Katholik Christoph Lehmann, der das Volksbegehren „Pro Reli“ initiiert hatte, geht davon aus, dass Woelki auch einen neuen Generalvikar einsetzen werde. Womöglich auch einen Mann, der Meisner nahe steht. Doch wollte Lehmann Woelkis Ernennung erst einmal positiv sehen. Woelkis Bischofsmotto ist „Nos sumus testes – wir sind Zeugen“. „Das Christentum zu bezeugen, bedeutet im säkular geprägten Berlin, Menschen erst einmal vom Christentum zu erzählen, und dies im Geist der Ökumene, sagte Lehmann. „Ich hoffe, dass der neue Erzbischof seinen Wahlspruch entsprechend interpretieren wird.“

Berliner Politiker begrüßten vor allem die Tatsache, dass die Ernennung des neuen Erzbischofs zügig erfolgt ist. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sagte, es sei „erfreulich, dass das Bistum noch vor dem Papstbesuch einen neuen Erzbischof hat. Ich biete ihm eine gute Zusammenarbeit an“, so Wowereit weiter, „ich hoffe, dass er das Bistum in der Tradition von Herrn Sterzinsky führt.“

Frank Henkel, Spitzenkandidat der CDU bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus, mochte keine Erwartungen an den neuen Mann formulieren – allenfalls Wünsche: „Ich wünsche mir, dass er die Seelsorge im klassischen Sinn in die Kirche bringt und dass er sich nach Kräften um die Verbreitung des Wortes Gottes bemüht.“

Der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux, bekennender Katholik und Befürworter eines Platzes, der nach Papst Johannes Paul II. benannt ist, hat die Hoffnung, dass der neue Erzbischof den Wunsch vieler Katholiken nach einer weltoffenen und fortschrittlichen Kirche Ausdruck verleiht.“ Die FDP-Abgeordnete Mieke Senftleben hofft, dass der neue Erzbischon den Menschen den Katholizismus „wieder näher bringt“.

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