Reaktionen auf Knuts Tod : „Mit ihm stirbt eine Kunstfigur“

Knuts Tod ist nicht nur ein Trauerfall für den Zoo und seine Besucher, sondern auch für zahlreiche Umwelt- und Artenschutz-Organisationen – und für manche, von denen man es gar nicht erwartet.

Foto: privat
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Knuts Tod ist nicht nur ein Trauerfall für den Zoo und seine Besucher, sondern auch für zahlreiche Umwelt- und Artenschutzorganisationen – und für manche, von denen man es gar nicht erwartet.

Jörn Ehlers, Sprecher des

World Wide Fund For Nature (WWF):

Knut war ein Glücksfall, jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Umweltbildung. Als Sympathieträger war er besonders gut geeignet, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen – indem man aufzeigte, wie der Wandel den natürlichen Lebensraum der Eisbären bedroht. Diese Funktion hatte Knut auch noch als erwachsener Bär, er war ja prominent, selbst wenn sein Höhepunkt vielleicht ein bisschen zurücklag. Das ist wohl so ähnlich wie bei Boris Becker und Franz Beckenbauer. Ganz genau kann ich mir das Phänomen Knut heute noch nicht erklären. Es hatte eine Eigendynamik, die man weder steuern noch kopieren konnte. Ich weiß noch, als ich zum ersten Mal um eine Stellungnahme zu Knut gebeten wurde. Das war gleich von einem Mitarbeiter der Tagesschau. Ich dachte zuerst, der will mich verschaukeln, aber er meinte es ernst. Knuts Popularität war nicht allein auf sein süßes Aussehen zurückzuführen. Mit ihm stirbt auch eine Kunstfigur. Denn der Eisbär ist ein exotisches, uns letztlich fremdes Wesen, das nie zur realen Bedrohung werden konnte. Ein Wolf zum Beispiel könnte tatsächlich einem deutschen Schäfer zum Problem werden. Und dann muss der zusehen, wie er seine Herde schützt. Knuts Beliebtheit hatte natürlich auch kritische Züge, ich denke da an die ganzen Human-Touch-Storys über ihn, den Hang zur Vermenschlichung. Das fanden wir als WWF gefährlich, denn es handelte sich immer noch um ein Tier und nicht um einen verwunschenen Prinzen.

Andreas Jarfe, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Berlin (Bund): Knuts Tod ist natürlich traurig. Aber wir sehen seine pädagogische Wirkung, die so gerne hochgelobt wird, eher differenziert. Als Symbol, als Stellvertreter für Tierarten, die durch klimatische Veränderungen bedroht sind, hat der Eisbär gewiss viele Menschen zum Nachdenken gebracht. Doch das stand nicht im Vordergrund. Zuerst war Knut wegen seines plüschigen Aussehen populär. Und das sehen wir weiterhin kritisch. Denn man darf bei alledem nicht vergessen, dass solche Wildtiere in ihre natürliche Umgebung gehören – und nicht in einen Zoo oder Safaripark. Dort haben sie einfach keine artgerechten Lebensbedingungen.

Klaus Lüdcke, Tierschutzbeauftragter des Berliner Senats:

Wissen Sie, eigentlich habe ich ja ständig über die Haltungsbedingungen von Knut im Zoo gemeckert. Aber als ich von seinem Tod hörte, hat mich das sehr getroffen. Es bleibt allerdings bei meinem Einwand, dass die Zoogehege für Eisbären völlig ungeeignet sind. Eisbären sind nun mal ausgesprochene Einzelgänger, die sich nur in der Paarungszeit gerne riechen. Solche Tiere auf derart engem Raum zusammenzubringen, bedeutet für sie einen Megastress. Zoo und Tierpark sollten deshalb auf die Eisbärenhaltung künftig verzichten.

Daniel Goldstein, Sprecher des Eishockeyklubs Berliner Eisbären

Na ja, Knut war doch irgendwie ein Artgenosse von uns, oder? Wir nehmen also schweren Herzens von ihm Abschied – zumal es auch in der freien Natur immer weniger Eisbären gibt. Es müssen aber unbedingt wieder mehr werden. Das ist unser Ziel. Dabei wollen wir als Berliner Eisbären mithelfen. Deshalb unterstützt unser Klub ein nachhaltiges Forschungsprojekt zum Artenschutz von Eisbären im Polargebiet. Und natürlich fühlen wir uns allen Bären in Berlins Tiergehegen eng verbunden. Wir helfen dem Förderverein von Zoo und Tierpark und wollen damit unter anderem erreichen, dass die Eisbären dort artgerechtere, vor allem größere Gehege bekommen.

Aufgezeichnet von Sebastian Leber und Christoph Stollowsky.

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