Berlin : Reaktionen auf Terroranschlag: Viele Menschen kämpften mit den Tränen

oom/jul/how

Überall, wo in Berlin öffentlich zugängliche Fernsehgeräte standen, verfolgten die Menschen die Katastrophe in Amerika. In der Elektronikabteilung des KaDeWe hatten sich am späten Nachmittag schätzungsweise einige hundert Menschen versammelt und beobachteten auf den vielen Fernsehgeräten die Berichterstattung. Mehrere Zuschauer brachen in Tränen aus; eine weinende Frau sagte, sie habe zwar keine Verwandten in Amerika, sei aber dennoch tief erschüttert. Auch ein amerikanisches Ehepaar war unter den Kunden, das 13 Jahre lang in Washington gelebt hatte und dort Verwandte und Freunde hat. Das Paar hatte gerade erst von den Anschlägen erfahren und wollte sofort in Amerika anrufen. Viele Leute zeigten sich fassungslos darüber, dass solche Anschläge möglich seien.

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Hintergrund: Terrorangriffe auf Ziele der USA Auch in der Filiale des Elektronikfachgeschäfts "Saturn" in den Potsdamer Platz Arkaden herrschte gegen 17 Uhr eine bedrückende Atmosphäre. Vor den Fernsehern standen und saßen ungefähr hundert tief erschütterte Menschen und verfolgten die Bilder aus den Vereinigten Staaten. "Wir haben um 16 Uhr auf alle großen Nachrichtensender umgeschaltet", sagte "Saturn"-Mitarbeiter Frank Detlef. "Mir persönlich fehlen alle Worte, ich kann dazu gar nichts sagen."

Brigitte Bridgford und ihre Freundin wollten an sich ins Kino gehen, als sie von den Terroranschlägen erfuhren. Beide kämpften mit den Tränen. "Es ist, als hätte ich einen dicken Kloß im Bauch", meinte Bridgford, deren Mann bei der amerikanischen Botschaft arbeitet. "Ich mag mir gar nicht vorstellen, was in den Köpfen derer vorgeht, die so etwas tun. Politische Ziele kann man auf diese Weise nicht erreichen." Hans Schließl aus Pforzheim war in den Arkaden am Potsdamer Platz, um die Wissenschafts-Ausstellung im Erdgeschoss zu betreuen. Auch er stellte sich vor einen der Bildschirme in dem Elektronikkaufhaus. "Ich bin schockiert", sagte Schließl nur. In der "Saturn"-Filiale am Alexanderplatz sah es ähnlich aus. Auch hier verfolgten viele Kunden die Ereignisse.

Ähnliche Bilder auch anderswo in der Berliner Innenstadt: Eine Amerikanerin wollte die Nachricht von den Anschlägen zunächst nicht glauben. Schließlich sagte sie, "das ist ja fürchterlich". Dann eilte sie nach Hause, um Verwandte in den Vereinigten Staaten anzurufen. Im Hotel Maritim an der Friedrichstraße hieß es, einige der amerikanischen Gäste hätten sofort abreisen wollen, mussten aber erfahren, dass alle Flughäfen in den USA gesperrt waren.

Im Eingang des Hotels stand vor einem Fernseher eine Traube von Menschen, die die Bilder der Sender CNN und NTV fassungslos und schweigend verfolgten. Ein älterer Mann brach in Tränen aus. Einer neben ihm stehenden Frau sagte er: "Meine Tochter arbeitet im World Trade Center. Die ist jeden Morgen um acht Uhr dort." Vor einem Fernsehgeschäft Unter den Linden stoppten drei junge Amerikaner, als sie die Menschen, dann die Bilder sahen. Sie leben in New York, einer arbeitet drei Blocks von der Katastrophe entfernt. Langsam begreifen sie, was geschehen ist. Das Mädchen bricht in Tränen aus. Später kann auch der Junge nicht mehr an sich halten. Sie nennen es eine Gnade, jetzt hier zu sein.

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