Berlin : "realityrun": Von der ganzen Welt gesucht

kek

Um elf Uhr ging es gestern los. Da wurde Roger im Grunewald ausgesetzt und seitdem jagen sie ihn. 24 Tage lang, und wer ihn fängt kriegt 10 000 Dollar. Roger trägt ein Mikrofon, damit ihn seine Verfolger auch richtig schön verfolgen können. 3,63 Mark kosten das Abhören pro Minute. Wer es biller haben möchte, der muss nach dem Mikro im Internet suchen. Um halb zwölf hörte man da jedoch nur elektronisches Eulengejaule. Roger ist der erste freiwillige "Reality-Runner". Der erste Mensch auf den ein Kopfgeld im Internet ausgesetzt ist.

Das Opfer ist Sportlehrer aus Amsterdam. Berlin ist völlig neu für ihn und hier muss er sich nun, verfolgt von einer internationalen Online-Jagdgemeinschaft, zurechtfinden. Die brabbelte gestern allerdings noch orientierungslos im Chat. Wo kann man das Mikro von Roger abhören und wie kommt man aus der Schweiz an Infos? Denn die teure 0190er Nummer kann man von dort nicht anwählen. Dreiviertel der Spieler glauben, dass Roger es nicht schafft. Klickt man auf der Startseite des Spiels auf den NEWS-Button, weiß man warum. Roger kann sich nicht einfach verstecken, er muss jeden Tag eine Aufgabe erfüllen. Die erste lautet: Finde dein Nest. Das Nest ist ein Ort, der mit fünf Webcams verkabelt ist und den er bis acht Uhr abends gefunden haben muss, um sich dort vermummt seinen Jägern zu zeigen. Die Aufgaben für die nächsten 23 Tage können die Jäger dann selbst bestimmen. Kaufe 25 linke Schuhe oder tausche dein Spesengeld von 2500 Dollar. Wenn Roger von einem Passanten im echten Leben enttarnt wird, ist das Spiel für ihn ebenfalls aus.

Wieder zurück zur Startseite. NEST/WEBCAM-Button, klick, und man sieht den Grundriss des Nests. Working Room, Creativity, Bathroom, Tunnel. Im Working Room überträgt die Webcam ein Bild auf dem ein Schachbrett zu sehen ist, auf dem der Bauer seinen ersten Zug gemacht hat. Im Hintergrund liegt eine Matratze. Klickt man auf Creativity sieht man einen Holztisch, auf dem ein Computer steht, und an der Wand hängt das Logo des Sponsors des Spieles. 23 Tage und 23 Stunden noch. Ohne feste Wohnung, ohne Auto, ohne Hilfe. Aber der Sportlehrer hat Erfahrung mit Extremsituationen: Er saß schon mal im Gefängnis, in Griechenland, wegen Nacktbadens.

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