Berlin : Rechenschieberei

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Von Ariane Bemmer

Der Verbraucher kann nicht mehr. Regungslos hängt er im dichten Gestrüpp aus Sonder und Spezialtarifen für alle Lebenslagen. Diesmal für innerdeutsche Flüge. Auf dem Schreibtisch stapeln sich Zettel, auf denen er die vielen neuen Angebote für Kölnflüge gegeneinander aufgerechnet hat. Neun Euro hier, aber ohne Rückflug, 22 Euro da, aber er findet das Angebot nicht im Internet, und gibt’s den Flug nicht auch für 19,90?

Der Verbraucher könnte heulen, alles ist so kompliziert geworden. Schon die Preisrevolution auf dem Strommarkt geriet für ihn zum Tarifdesaster. Monatelang hat er gerechnet, mit welchem Anbieter er zu welchen Tageszeiten am billigsten an Licht kommt. Fast wäre die Susi bei ihm eingezogen, für den Partnertarif, oder die Kinder vom Nachbarn, für den Familienrabatt. Immer mehr Anbieter umwarben ihn immer aggressiver mit immer noch persönlicher an ihn angepassten Sparmodellen. Am Ende war er so verwirrt, dass er bei der Bewag blieb, deren Briefwurfsendungen über Sondertarife er stets ungeöffnet in den Müll warf. Auch beim günstigen Telefonieren ist der Verbraucher gescheitert. Ein Vermögen hat er ausgegeben, um durch alle Billig-Webseiten zu surfen. Jeden Tag neue Angebote für neue Situationen. Auf der Suche nach dem besten Telefonierangebot verlor er fast den Anschluss an Leute zum Anrufen. Er blieb bei der Telekom.

Und nach Köln fährt er mit dem Auto.

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