Berlin : Recherchefehler?

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Sie schreiben in Ihrem Artikel „Drei Mann für alle Fälle“, dass Herr Mahlow, angeblich keine Diagnosen stellen darf. Die ausgebildeten Rettungsassistenten haben genug medizinisches Fachwissen, um Arbeitsdiagnosen zu stellen und die Patienten danach zu behandeln. Genau das tun die Feuerwehrmänner auch. Zur Behandlung zählen sehr häufig auch Lagerung, Sauerstoffgabe, Absaugen, psychischer Beistand etc. Wenn ärztliche Maßnahmen erforderlich sind, können die Rettungsassistenten bis zum Eintreffen des Notarztes dies auch im Rahmen der Notkompetenz. Dafür sind sie ausgebildet.

Bei umfassender Recherche hätten Sie erfahren, dass in Berlin nur erfahrene Notärzte eingesetzt werden. Die meisten verfügen über die Zusatzbezeichnung Rettungsmedizin oder sind Fachärzte. Jedenfalls werden Sie in Berlin definitiv keinen jungen Arzt auf einem Notarztwagen finden, der gerade sein praktisches Jahr beendet hat. Ihre Hypothese, dass zu einem „Meldealarm“ doch erst einmal nur ein Auto fahren könnte, entbehrt leider der entsprechenden Fachkenntnis. Bei entsprechender Größe des Schadensereignisses ist es geradezu lebensnotwendig, dass mehrere Fahrzeuge ausrücken!

Auch die Idee der Einbindung privater Rettungsdienste ist nicht bis zu Ende durchdacht. Im Gegensatz zu den Feuerwehrbeamten würde ein angeblich „kostendeckender“ Rettungsdienst deutlich mehr den wirtschaftlichen Interessen unterworfen sein. Auch auf der Einnahmenseite. Und da hätten wir dann wieder das Problem unserer arg strapazierten Sozialsysteme. Und wie sollte die Koordinierung einer Unmenge von konkurrierenden privaten Krankentransporten erfolgen?

Zum Schluss noch Ihre Idee mit den Notarzteinsatzfahrzeugen. Diese sind bei der Berliner Feuerwehr schon zum Teil im Einsatz und werden es in Zukunft noch häufiger sein. Damit sind jedoch neue Probleme verbunden, über die sie nicht schreiben. Mit diesen Fahrzeugen kann kein Patient transportiert werden. Dafür muss noch ein zusätzlicher Rettungswagen gebunden werden. Ein solcher Rettungswagen muss zunächst einmal mit all den notwendigen Medikamenten und Medizingeräten ausgerüstet werden, genau wie die bisher vorhandenen Notarztwagen. Von diesen Rettungswagen gibt es weit über 100 Stück. Das kostet…

Hilfreich wäre es für die Berliner Feuerwehrleute, wenn Sie einmal zeigen könnten, mit welch desolater Einsatztechnik sie oft arbeiten müssen. So sind z.B. einige Rettungswagen, Notarztwagen und Medizintechnik weit älter als zehn Jahre und nach jahrelangem harten Einsatzdienst verbraucht. Wegen der Finanznot des Landes können sie aber nicht ersetzt werden.

Dr. Hendrik Kühne, Arzt, per E-Mail

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