Berlin : Rechnungshof will Kegelvereinen ans Geld

Holger Wild

Im Berliner Landessportbund (LSB) herrscht Unverständnis und Empörung über Vorschläge des Landesrechnungshofes, die Förderung von 18 Sportarten einzustellen. Zu prüfen sei, ob diese "nicht vielmehr als Hobby oder sonstige Freizeitgestaltungen einzustufen" seien, zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Rechnungshof. Außerdem verlange er, jeglichen Profi-Sport in Berlin nicht mehr zu fördern.

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Den Angaben zufolge wird in einem Bericht für den Senator für Schule, Jugend und Sport unter anderem die Förderung von Bahnengolf, Bergsteigen, Billard, Bowling, Kegeln, Luftsport, Motorsport, Motoryachtsport, Tanzen, Schach, Wandern und Tauchen in Frage gestellt. Der Sprecher des LSB, Dietmar Bothe sagte dem Tagesspiegel, es handele sich bei dem Papier um einen inoffiziellen Entwurf, der in den Verhandlungen zur Bildung einer Ampelkoalition eine Rolle gespielt habe.

Obgleich die "Ampel" letztlich nicht zustande kam, fragt Bothe sich, wie der Rechnungshof dazu komme, "sich gesetzgeberische Kompetenzen anzumaßen". Ob eine Tätigkeit als Sport gelten und entsprechend gefördert werden solle, sei etwa in der Bundesabgabenordnung geregelt, sagte Bothe. Für die Anerkennung von Sportarten sei der "Körperertüchtigungscharakter" und ein existierender "Wettkampfbetrieb" entscheidend; die entsprechenden Gutachten würden in der Regel von Fachleuten eingeholt, nicht von Rechnungshofbeamten.

Bothe berichtete, das Papier des Rechnungshofes sei von den Bündnisgrünen "herausgezogen" worden, als es in den Ampelverhandlungen um die Kürzungen im Berliner Sport ging und Sportsenator Klaus Böger (SPD) eine globale Absenkung des Sporthaushaltes um 20 Prozent ablehnte. Bei den späteren Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und PDS sei von der Herausnahme einzelner Sportarten aus der Förderung dann keine Rede mehr gewesen. Doch auch die beschlossene Kürzung der Förderungsmittel um 10 Prozent sei "auch schon ein Hammer", sagte Bothe, den viele Vereine nur durch eine Verringerung ihres Angebotes verkraften könnten.

Gleichwohl nimmt der Direktor des LSB, Norbert Skowronek, den Bericht des Rechnungshofes so ernst, dass er laut dpa noch am Heiligabend eine umfassende Stellungnahme ausarbeitete. "Wir müssen dem Rechnungshof wohl elementaren Nachhilfeunterricht in sportfachlichen Dingen erteilen. Bei den meisten hier aufgeführten Sportarten handelt es sich um ein ausgereiftes und umfassendes Wettkampfsystem bis hin zur Bundesliga. Da gibt es deutsche und sogar Welt-Meisterschaften", sagte Skowronek, der am gestrigen zweiten Weihnachtsfeiertag ebenso wenig zu erreichen war wie Vertreter des Rechnungshofes.

Von dessen mutmaßlichen Vorschlägen zum Ende der Förderung für den Profi-Sport wären in erster Linie der Fußball-Bundesligist Hertha BSC, der Basketballverein Alba Berlin und die beiden Eishockey-Teams Capitals und Eisbären betroffen, die unentgeltlich Sportplätze und Hallen für Trainingszwecke nutzen und Vorteile für ihren Spielbetrieb genießen. Der Rechnungshof begründet seine Haltung laut dpa damit, dass es sich dabei "nicht um eine Förderung des Spitzensports, sondern um eine Subventionierung von Wirtschaftsunternehmen der Sportunterhaltungsindustrie handelt."

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