Berlin : Rechte Gefahr: Racheakt mit Rohrbombe

Frank Jansen

Nur anderthalb Monate nach dem Fund einer Rohrbombe muss sich der Neonazi Nick G. heute vor dem Landgericht verantworten. Dem Mann, Jahrgang 1977, wird die Vorbereitung eines Explosionsverbrechens und das Vorrätighalten von Neonazi-Propaganda vorgeworfen. Die Rohrbombe sollte, wie berichtet, gegen Linke eingesetzt werden. Gerade noch rechtzeitig konnte die Polizei den Anschlag verhindern. Die Vorbereitung der Straftat zählt zu einer Serie von drei rechtsextremen Beinahe-Attentaten, der die Region Berlin-Brandenburg seit September 1999 nur knapp entgangen ist.

Nick G. soll nach Informationen des Tagesspiegels zum Umfeld der "National-Revolutionären Zellen" gehören. Diese Gruppe, deren harter Kern aus Berliner und Brandenburger Neonazis besteht, hatte 1999 in der Szene-Publikation "Zentralorgan" den bewaffneten Kampf angekündigt. Die Rohrbombe von Nick G. sollte offenbar für einen Racheakt eingesetzt werden. In Königs Wusterhausen und Umgebung hatten mutmaßlich linksextreme Täter mehrere Autos von Neonazis angezündet. Mit der Rohrbombe von Nick G. wollten Rechtsextremisten den Wagen eines Linken in die Luft sprengen. Das Attentat soll nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden vor etwa drei Monaten am Rande einer NPD-Veranstaltung in Fürstenwalde abgesprochen worden sein.

Bei der Durchsuchung der Wohnung von Nick G. fand die Polizei auch Propagandamaterial der NSDAP/AO. Diese Gruppierung wird von dem US-amerikanischen Neonazi Gary Lauck dominiert. Nick G. hatte etwa 1000 Aufkleber der NSDAP/AO aufbewahrt. Die darauf zu lesenden Parolen künden vom Fanatismus der Szene: "Juden sind unser Unglück", "NS-Verbot aufheben" und "Ausländer raus".

Nick G. muss im Fall einer Verurteilung mit einer harten Strafe rechnen - der Neonazi hatte noch eine Bewährungsstrafe offen, als die Polizei die Rohrbombe beschlagnahmte. In Dresden war G. wegen Körperverletzung und Nötigung zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt worden, befand sich aber wieder auf freiem Fuß. Seit dem Fund der Bombe sitzt G. in Untersuchungshaft.

Ob G. auch mit den zwei weiteren Beinahe-Anschlägen zu tun hat, ist offen. Im Mai schritt die Polizei ein, als ein Berliner Neonazi einem Brandenburger "Kameraden" ein Präzisionsgewehr mit Zielfernrohr, Schalldämpfer und Munition verkaufen wollte. Der Berliner, ein Mitglied der Gruppe "Vandalen", befindet sich ebenfalls in Untersuchungshaft. Das Gewehr sollte offenbar wie die Rohrbombe zur Vergeltung der Brandanschläge auf Neonazi-Pkw in Königs Wusterhausen eingesetzt werden. Der Brandenburger zählt zum Führungskreis der "National-Revolutionären Zellen".

Das gilt auch für zwei Rechtsextremisten, die im September 1999 einen Treffpunkt von Linken im Bezirk Prenzlauer Berg mit Brandflaschen angreifen wollten. Das Duo fühlte sich jedoch beobachtet und brach den Anschlag in letzter Minute ab.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben