Berlin : Rechte Gewalt: Japaner flüchtete vor Skins in eiskalten See

Frank Jansen

Erneut fremdenfeindliche Gewalt in Berlin: In der Nacht zu Sonnabend sind mehrere japanische Studenten von Skinheads angegriffen worden. Der erste Fall spielte sich am Zeuthener See in Schmöckwitz (Köpenick) ab. Kurz vor Mitternacht schlugen und beraubten zwei Skinheads einen japanischen Studenten, der sich in den See flüchtete. In dem kalten Wasser watete der Japaner eine halbe Stunde zu seiner Unterkunft, der Dependance einer Tokioter Privatuniversität am Rande des Sees. Der Student erlitt eine Unterkühlung und durch die Schläge Verletzungen im Gesicht.

Innerhalb von weniger als 24 Stunden gelang es der Polizei, insbesonders der "Operativen Gruppe Jugendgruppengewalt" der Direktion 6, einen bereits früher aufgefallenen, 14 Jahre alten Skinhead zu ermitteln. Der Jugendliche legte ein Geständnis ab und gab auch zu, zwei weitere japanische Studenten überfallen zu haben. Die japanische Botschaft hat sich inzwischen eingeschaltet und nach dem Stand der Ermittlungen erkundigt. Der Skinhead wurde nach seinem Geständnis freigelassen.

Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten in Lichtenberg hat die Polizei am Samstagabend 73 Personen festgenommen. Eine Gruppe von etwa 50 Linken bewarf das Lokal "Prozenthaus" in Alt Friedrichsfelde mit Steinen, als sich dort zwischen 60 und 100 Rechtsextremisten, darunter Mitglieder der NPD, einen Vortrag über das Leben des SS-Kriegsberichterstatters Kurt Eggers anhörten. Bei dem Angriff der Linken gingen Scheiben des Lokals zu Bruch, außerdem wurden zwei Pkw beschädigt.

Die Rechten bewaffneten sich mit Barhockern, stürmten aus der Gaststätte und verfolgten die Linken. Durch einen schnellen Einsatz der Polizei wurden weitere Krawalle verhindert. Die festgenommenen 73 Personen sind etwa je zur Hälfte Linke und Rechte. Vier der Festgenommenen, offenbar nur Linke, sollten gestern dem Haftrichter vorgeführt werden.

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