Berlin : Rechte Gewalt vor allem in Ost-Bezirken

Frank Jansen

Sie sind jung, oft ungebildet, leben meist in östlichen Bezirken und schlagen vorzugsweise in der Nähe ihrer Wohnung zu. Rechte Gewalttäter wollten sich in ihrem „Revier“ demonstrativ mächtig zeigen, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) gestern bei der Vorstellung einer Studie des Verfassungsschutzes über einschlägige Delikte in Berlin. Die Sicherheitsbehörde hat systematisch und für einen Zeitraum von sechs Jahren rechte Gewalt in Bezug auf Täter, Taten und Tatorte untersucht. Bei der Analyse der 336 rechten Gewalttaten, die in Berlin von 1998 bis 2003 registriert wurden, kam der Verfassungsschutz teilweise zu Ergebnissen, die in der Öffentlichkeit bestehenden Klischees widersprechen.

So zählt die Mehrheit der Täter oder Tatverdächtigen weder zu den ideologisch gefestigten Neonazis der „Kameradschaften“ noch zu den Mitgliedern der rechtsextremen Parteien NPD, DVU und „Republikaner“. Andererseits schlagen rechte Gewalttäter vor allem in Stadtteilen zu, in denen die Agitation von Neonazis und NPD gegen Ausländer, Linke und andere Feindbilder dumpfe Vorurteile verstärkt. Dies betrifft besonders die Bezirke im Ostteil der Stadt, in denen rechte Parteien viele Stimmen erhalten.

Zwei Beispiele: In Lichtenberg wurden 17 Prozent der registrierten Gewalttaten verübt, und hier kam die NPD bei der Bundestagswahl im Jahr 2002 auf 1,5 Prozent der Stimmen. Zum Vergleich: In ganz Berlin erreichte die NPD 0,6 Prozent. Ähnlich sieht es in Marzahn-Hellersdorf (16 Prozent der rechten Gewalttaten, 1,6 Prozent NPD-Stimmen) aus. Obwohl Gewalt und Ressentiments offenbar eine bodenständige Symbiose bilden, suchten die Täter nicht gezielt in ihrem „Revier“ nach Opfern. Geprügelt wurden meist zufällig auftauchende Ausländer und andere Menschen, die als Feindbild gelten.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben