Berlin : Rechter Schläger verurteilt

Mehrjährige Freiheitsstrafe für Überfall auf Libanesinnen

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Knapp sieben Monate nach der brutalen Misshandlung von zwei libanesischen Frauen in einer Straßenbahn in Hellersdorf ist einer der rechten Schläger verurteilt worden. Der 18-jährige Ronny R. wurde gestern zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Ronny R. musste sich in dem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit für insgesamt fünf Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund verantworten. Aus Sicht des Jugendgerichts sei er ein „klassischer Mitläufer“ gewesen, sagte Justizsprecherin Ariane Faust. Einer, der sich durch gemeinsames Trinken mit der rechten Szene verbunden gefühlt habe.

Die schwerste der Taten war der Überfall auf die Libanesinnen. Es geschah während des Berufsverkehrs, viele Zeugen sahen an jenem Nachmittag tatenlos zu. Die 26-jährige Nasrine C. war am 30. Januar mit ihrer Schwiegermutter, ihrem siebenjährigen Sohn und einer Tante auf dem Nachhauseweg vom Einkaufen. Sie nahmen die Straßenbahn. Ronny R. und drei Gesinnungsgenossen stiegen ein. Sie pöbelten die Frauen mit Kopftüchern an. Andere Fahrgäste schwiegen. Als Nasrine C. ihr Telefon nahm, um die Polizei anzurufen, schlugen zwei der Jugendlichen auf sie und ihre Schwiegermutter ein.

An der nächsten Haltestelle zog der damals 17-jährige Ronny R. eine der Frauen an den Haaren aus der Bahn. An der Haltestelle gingen die Schläge und Tritte mit den stahlbekappten Springerstiefeln weiter. Lediglich der Straßenbahnfahrer und ein 21-jähriger Fahrgast eilten den drangsalierten Frauen zur Hilfe. Nasrine C. erlitt bei dem Überfall eine schwere Kopfverletzung. Sie und ihre Schwiegermutter waren Zeugen im Prozess gegen R., und sie mussten wieder leiden. Auf dem Gerichtsflur saß am ersten Verhandlungstag, nur wenige Meter von den Frauen entfernt, der ebenfalls als Zeuge geladene mutmaßliche zweite Schläger, kahl geschoren wie seine beiden Begleiter. Die beiden Frauen suchten sich ein Versteck. Kein Justizangestellter sagte ihnen, dass es ein Zeugenzimmer gibt.

Es hatte sehr lange gedauert, bis die Justiz gegenüber Ronny R. Härte gezeigt hatte. Er grölte auf der Straße Naziparolen, randalierte mit „Glatzköpfen“ in einem Lokal. Dann der Überfall auf die Libanesinnen. Wieder wurde er von der Polizei gefasst, wieder kam er frei. Erst im März, als er einen Vietsen mit einem Baseballschläger attackieren wollte, kam Ronny R. in Untersuchungshaft. Er habe sämtliche Vorwürfe gestanden, Reue gezeigt und sich entschuldigt, sagte die Sprecherin. Der Jugendliche ohne abgeschlossene Schulausbildung habe nicht politisch motiviert gehandelt, aber stets unter Alkoholeinfluss. In das Urteil wurde eine bereits im April verhängte sechsmonatige Jugendstrafe mit einbezogen. Kerstin Gehrke

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