• Rechts und links Propheten - Arnulf Baring und Norbert Blüm in der Ständigen Vertretung

Berlin : Rechts und links Propheten - Arnulf Baring und Norbert Blüm in der Ständigen Vertretung

Rdh.

War Bonn das "Treibhaus", wird Berlin die "Schaubühne"? So sieht der Journalist Klaus Dreher das Verhältnis von alter und neuer Hauptstadt und hat daraus den Titel seines Buches über den Weg vom Bonner Anfang der Bundesrepublik bis zum vollendeten Umzug nach Berlin gemacht. Aber auf diese Vermutungen bekommt man natürlich keine Antwort, wenn man, wie die Deutsche Verlags-Anstalt, bei der das Buch erscheint, zwei begnadete Monologisten wie Norbert Blüm und Arnulf Baring zur Vorstellung einlädt.

Prophete rechts, Prophete links, das Weltkind - der Autor - in der Mitte: selten hat man das Zitat so schön vorgeführt bekommen wie an diesem Vormittag in der "Ständigen Vertretung" am Schiffbauerdamm, immer noch unbestritten das Bonn-Asyl in Berlin, das seinem Namen wieder einmal Ehre machte.

Kaum hatte DVA-Cheflektor Ulrich Volz die Tore zur Arena geöffnet, stürzten beide los - erst ins Allgemeine und Grundsätzliche, dann auch ein bisschen aufeinander. Der CDU-Politiker, in der historischen Abstimmung Berlin-Gegner, nun im Besitz einer Abgeordneten-Bleibe im Wedding, sang in seiner unübertrefflichen pfälzischen Suada das Loblied der alten Bundesrepublik, der frühere FU-Professor beschwor in dem ihm eigenen atemberaubenden erzählerischem Tempo die Öffnung der Republik - einerseits gegenüber dem Osten, andererseits gegenüber der Zukunft, die, wie man weiss, voller Herausforderungen stecke - Globalisierung und so.

Natürlich versicherten sich beide, im Grundsätzlichen gar nicht so weit voneinander entfernt zu seien. Dafür traten sie sich aber gegenseitig ganz kräftig auf die Zehen. Der Autor quittierte es mit stillem Vergnügen. Er hat dreissig Jahre für die Süddeutsche Zeitung aus Bonn berichtet, vor zwanzig Jahren mit seinem "Kampf um Bonn" eines der besten Bücher der reichhaltigen Bonn-Literatur geschrieben und setzt nun, in Bonn "zurückgeblieben", wie er sagt, der Bonner Republik auch noch das Schlusswort.

Stäv-Wirt Friedel Drautzburg konnte der Debatte allerdings nur mit begrenzter Konzentration folgen. Er hatte seinen Kopf woanders. Seiner am Vortag eröffneten Weinhandlung waren die Fenster eingeschlagen und die Fassade des Hauses mit dem Spruch "Verpisst euch, Bonner" besprüht worden.

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