Berlin : Rechtsextreme Ansichten gehören zum Alltag

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Ausländer fürchten um ihr Leben. Schüler, die sich gegen rechtsextreme Parolen wehren, werden isoliert. Es gibt Plätze im Bezirk, an denen sich Ausländer oder "linke Zecken" besser nicht sehen lassen. Dies geht aus der Studie "Rechtsextremismus in Hohenschönhausen" hervor, die Bürgermeisterin Bärbel Grygier (für PDS) am Mittwochabend vorgestellt hat.

Grundlage des Papiers sind achtmonatige Recherchen des Berliner "Zentrums für Demokratische Kultur" mit Sitz in der Chausseestraße in Mitte. Nach den Worten des Leiters Bernd Wagner ergab sich für die zehn an den Forschungen beteiligten Mitarbeiter der Eindruck "eines rechtsextremen Mainstreams" an Schulen, in Gaststätten, Jugendfreizeiteinrichtungen und Diskotheken. "Rechtsextreme Orientierungen waren in allen Altergruppen anzutreffen", sagte Wagner und verwies auf mindestens zwei "unabhängige Kameradschaften" in Hohenschönhausen. Der Orankesee sei zum sommerlichen Treffpunkt für Rechtsradikale geworden.

Gespräche mit Schulklassen, Lehrern und Schulleitern förderten nach Wagners Worten beklemmende Ergebnisse zu Tage. Danach wissen Lehrer nur wenig über das Denken ihrer Schüler, Schulleiter fast überhaupt nichts. "Die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern ist gestört", sagte Wagner. Nicht nur bei Schülern, sondern auch in vielen Elternhäusern bestehe die Überzeugung, dass die Demokratie soziale Probleme nicht lösen kann und darum grundsätzlich abzulehnen ist. Insofern sei es kein Wunder, dass Jugendliche Anschluss bei den Hooligans des Berliner Fußball-Clubs Dynamo (BFC) suchten, sagte Wagner und nannte ein geflügeltes Wort der rechtsextremen Hooligans: "Mein Großvater war bei der SS, mein Vater war bei der Stasi, ich bin beim BFC".

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