Berlin : Rechtsextremismus: Aufstehen gegen Rechts: Erwartet werden 100 000 Menschen

Tanja Buntrock

Für die heutige Demonstration "Wir stehen auf für Menschlichkeit und Toleranz" rechnen die Veranstalter mit weit mehr als den zunächst erwarteten 30 000 Teilnehmern. Deswegen wurden gestern an der Westseite des Brandenburger Tors eine zusätzliche Videoleinwand und Lautsprecher installiert. Der Sprecher des Veranstalterkreises, Michael Donnermeyer, ruft die Teilnehmer dazu auf, sich direkt zum Pariser Platz, beziehungsweise auf die Westseite des Brandenburger Tors zu begeben, da "die Oranienburger Straße, in der die Demonstration beginnt, zu eng ist für die Menschenmassen".

Sowohl die Feierlichkeit vor der Synagoge als auch die Reden des Bundespräsidenten Johannes Rau und des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, werden auf der Videoleinwand übertragen. "Die Beschallung reicht bis in die Friedrichstraße", versicherte Donnermeyer. Die Polizei sorgt sich über den Massenandrang von bis zu 100 000 Menschen zu beiden Seiten des Tores. Silvester hatte die Polizei schon im Vorfeld angekündigt, den Pariser Platz abzuriegeln, wenn mehr als 25 000 Personen kommen. So sollte einer Massenpanik vorgebeugt werden. Der Veranstalter dagegen sieht keine Gefahr. "Es wird sich sicherlich stauen, die Leute werden sich aber dank der zusätzlichen Video- und Lautsprecherinstallationen verteilen", sagte Donnermeyer.

Schon seit gestern steht die Bühne vor dem Brandenburger Tor. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt. Für die Demonstration, die heute um 16.30 Uhr vor der Synagoge in der Oranienburger Straße in Mitte beginnt, haben viele Spitzenpolitiker ihr Kommen zugesagt. Zudem erwarten die Veranstalter 200 Prominente aus Wirtschaft, Sport und Show.

Nicht teilnehmen dürfen Soldaten in Uniform. Das Bundesverteidigungsministerium hat in der vergangenen Woche ein spezielles Verbot erlassen. Der Abgeordnete Johannes Kahrs aus dem Verteidigungsausschuss sagte, dass eine Gruppe von Offizieren den Antrag gestellt hatte, in Uniform teilnehmen zu dürfen. In der Begründung der Ablehnung heißt es, dass die Teilnahme von Soldaten die Demonstration zusätzlich emotionalisieren würde. In den 80er Jahren war gegen die Soldaten, die in Uniform gegen die Nato-Aufrüstung demonstriert hatten, dienstrechtlich ermittelt worden, heißt es zur Warnung in der Begründung der Ablehnung. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, dass die Soldaten aufgefordert wurden, in Zivil teilzunehmen. Dagegen dürfen Polizisten in Uniform teilnehmen, sagte der stellvertretende Landesschutzpolizeidirektor Markowski.

Bundes- und Landesministerien hatten ihren Mitarbeitern nahegelegt, am "Aufstand der Anständigen" teilzunehmen. Mehrere Gewerkschaften sowie die Industrie- und Handelskammer geben demofrei, zahlreiche Banken schließen früher. Sogar der wegen seiner Kritik an der Anti-Rechts-Demo in die Schlagzeilen geratene brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), gibt seinen Mitarbeitern ab 14 Uhr demofrei. Auch die Schulen rechnen mit vielen Teilnehmern. "Etliche Kollegen gehen mit ihren Schülern da hin", weiß Sanem Kleff von der GEW. Die älteren Schüler gingen meist ohne Begleitung, hätten sich untereinander verabredet. "Auf positive Resonanz" sei auch die Verteilung von Flugzetteln an die Beschäftigten der Charité gestoßen, sagte Ernst W. Paul vom Personalrat. "Wir haben unsere Beschäftigten mobilisiert, ich denke, dass ein Großteil dabei ist." Ebenso zuversichtlich ist Dietmar Bothe, Pressesprecher des Landessportbundes Berlin (LSB). "Es werden schon einige tausend Sportler kommen", schätzt er. 150 Lotsen aus Berliner Schulen werden ab 13.30 Uhr auf den U- und S-Bahnhöfen präsent sein, um den Teilnehmern zu helfen. "Panik"-Rocker Udo Lindenberg gibt um 13 Uhr den Lotsen den Startschuss.

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