Rechtsextremismus : Braune Kameraden formieren sich neu

Die Gruppe "Frontbann 24" steht Ex-Funktionären der NPD nahe und ist rasch gewachsen. Erstmals hat sich damit in Berlin wieder eine klassische Neonazi-Kameradschaft gebildet.

Frank Jansen

Sie treten martialisch auf, mit schwarzen Stiefeln, schwarzen Armeehosen und schwarzen T-Shirts, auf denen in NS-Manier ein Reichsadler prangt und der Name der Gruppe: „Frontbann 24“. Die etwas altmodisch wirkenden, aber durchaus handfest erscheinenden Neonazis sind eine neue Erscheinung in der rechten Szene der Stadt. Die nach einer einstigen SA-Formation benannte Kameradschaft hat sich Ende 2008 gebildet und ist rasch gewachsen. Sicherheitskreise schätzen den Frontbann auf 40 bis 60 Mitglieder, bei steigender Tendenz. Auf ihrer Homepage sprechen die Neonazis von fünf „Ortsgruppen“. Erstmals habe sich in Berlin nach längerer Zeit wieder eine Art klassischer Neonazi-Kameradschaft gebildet, sagen Experten. Sie warnen, die Gruppierung sei gewaltbereit, obwohl der relativ hohe Altersdurchschnitt von 30 bis 45 Jahren für die Szene eher untypisch sei.

Am 1. Mai war bereits zu besichtigen, wie der Frontbann tickt. Im Umfeld der Maifeier der NPD in ihrer Zentrale in Köpenick tauchten uniformierte, glatzköpfige Mitglieder der Kameradschaft auf und provozierten linke Gegendemonstranten. Beamte der Polizei-Spezialeinheit PMS (Politisch Motivierte Straßengewalt) verscheuchten die Frontbann-Mitglieder und verhinderten so eine Schlägerei mit jungen Antifa-Linken.

Dass die Frontbann-Figuren in der Nähe der NPD-Zentrale herumliefen, war auch merkwürdig. Die Gruppierung profitiert von den heftigen Konflikten in der Berliner NPD und steht Ex-Funktionären nahe, die sich im Zorn von der Partei getrennt haben. Ein Beispiel: Am 1. Mai waren die Frontbann-Kahlköpfe zusammen mit Gesine Hennrich unterwegs, der ehemaligen Chefin des NPD-Kreisverbands Marzahn-Hellersdorf. Hennrich hatte sich mit dem Berliner NPD-Vorsitzenden Jörg Hähnel angelegt, der sie dann unter dem Vorwand einer bizarren „Porno-Affäre“ derart bedrängte, dass Hennrich die Partei verließ. Im Internet waren Bilder von Hennrich im Umlauf, wie sie an einem Treppenhausgeländer Verrenkungen aufführt.

Der Frontbann scheint aber so flexibel zu sein, dass Kontakte sowohl zu NPD-Rebellen als auch zur Partei gepflegt werden. Mitglieder der Kameradschaft treffen sich auch mit Anhängern der NPD, unter anderem in einem Lokal in Tempelhof, nahe dem Volkspark Mariendorf. Frontbann-Mitglieder beteiligten sich zudem an Veranstaltungen, bei denen die NPD mitmischte, beispielsweise dem „Trauermarsch“ im Februar in Dresden zum Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Jahr 1945. Frank Jansen

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