Berlin : Rechtsextremismus: Ein Erfolg des Berliner LKA

Frank Jansen

Neue Details im Fall "Landser": Die bei einer spektakulären Polizeiaktion festgenommenen Mitglieder der Skinhead-Band haben in den USA und in Kanada an Treffen mit militanten, bewaffneten Neonazis teilgenommen. Entsprechende Belege sind nach Informationen des Tagesspiegels bei den Durchsuchungen gefunden worden. Damit erhärtet sich der Verdacht, die rechtsextreme Band habe eine kriminelle Vereinigung gebildet. Diesen Vorwurf erhebt, wie berichtet, Generalbundesanwalt Kay Nehm, der die Ermittlungen geführt hat. Die vier Mitglieder von "Landser" und ihr Vertriebsleiter sitzen seit vergangener Woche in Untersuchungshaft. Die Festnahme der Gruppe, die in der rechten Szene als Kultband gilt, ist offenkundig ein besonderer Erfolg des Berliner Landeskriminalamts. Die Staatsschutz-Abteilung LKA 514 hatte vor 15 Monaten eine zehnköpfige "Ermittlungsgruppe Rechts" gebildet. Die ganze Palette polizeilicher Ermittlungen kam zum Einsatz. Außerdem ermittelten die Berliner nicht nur im Bundesgebiet. Sie reisten nach Dänemark und Kanada, um Belastungsmaterial gegen "Landser" zu sammeln. In Dänemark soll die letzte der fünf "Landser"-CDs produziert worden sein. Sie hat den Titel "Ran an den Feind", die Texte sind wie bei den früheren CDs ein wüstes Gemisch von Hass- und Totschlagsparolen gegen Migranten, Juden und Kommunisten. Für Produktion und Vertrieb soll der in Chemnitz festgenommene Jan W. verantwortlich sein. "Er ist der Dreh- und Angelpunkt", hieß es bei den Behörden. W. gibt die Szene-Broschüre "White Supremacy" heraus und hat bei dem internationalen Skinhead-Netzwerk "Blood & Honour" mitgemischt. Dessen "Deutschland Division" hatte Innenminister Otto Schily im letzten Jahr verboten. W. wurde Ende letzten Jahres festgenommen, als die CD "Ran an den Feind" in der Szene aufgetaucht war. Zahlreiche CDs wurden beschlagnahmt, doch W. kam wieder auf freien Fuß. Die Ermittler fanden allerdings heraus, wie der Vertrieb von "Landser" funktioniert: Jan W. hatte 19 Szene-Händler angeschrieben und ein Beleg-Exemplar der CD mitgeschickt. Zur Tarnung wurde den Händlern empfohlen, T-Shirts zu bestellen. Wer 500 "T-Shirts" orderte, erhielt 500 CDs. Die Mitglieder von "Landser" sehen sich nach Erkenntnissen der Behörden als "Speerspitze der arischen Revolution". Ob mit der jüngsten Polizeiaktion die Existenz der Band beendet ist, bleibt unklar. Unterdessen kursiert eine neue CD: "Best of Landser", produziert in den USA von einer Firma mit dem szenetypischen Namen "Panzerfaust Records".

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