Rechtsextremismus : Erziehungshilfe für Eltern rechter Jugendlicher

In Brandenburg sollen die Erziehungskompetenzen der Eltern von rechtsextremen Jugendlichen gestärkt werden. Dazu startet jetzt das bundesweit einmalige Modellprojekt "Elternwege - Beratungswege".

Potsdam - Die Projekte zur Umsetzung des neuen Bundesprogramms "Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" nehmen konkrete Formen an. Noch in diesem Monat starte das bundesweit einmalige Modellprojekt "Elternwege - Beratungswege" in Brandenburg, sagte Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp. Mit dem Projekt sollten die Erziehungskompetenzen der Eltern von rechtsextremen Jugendlichen gestärkt werden.

Das Projekt richte sich gezielt an Eltern im ländlichen Raum und solle als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden. Dabei sollten auch Eltern unterstützt werden, deren Kinder nicht in rechten Strukturen verankert sind.

Träger des Projekts ist das Brandenburgische Institut für Gemeinwesenberatung demos. Dessen Leiter Wolfram Hülsemann betonte, die häusliche Erziehung sei von großer Bedeutung. Es gebe einen engen Zusammenhang zwischen den Entwicklungschancen von Kindern und der Situation in den Elternhäusern.

Eltern aus gefühlter Isolation lösen

Mit dem Projekt sollten Eltern ermutigt werden, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Es richte sich an Betroffene in entlegenen Regionen, weil dort das Gefühl des "Abgehängtseins" besondere Schwierigkeiten bei der Erziehung mit sich bringe. Dem solle entgegen gewirkt werden.

Für das Projekt stehen in den kommenden drei Jahren 485.000 Euro zur Verfügung. Davon übernimmt der Bund 225.000 Euro. 170.000 Euro stellt das Land über das Handlungskonzept Tolerantes Brandenburg bereit. Den Rest bringt demos aus Eigenmitteln auf.

Zunächst sollen zwei Mitarbeiter beschäftigt werden. Diese werden enge Kontakte zu den sechs Mobilen Beratungsteams knüpfen. Die Beratungsteams bieten seit Jahren Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren.

"Jugend für Vielfalt"

Im Rahmen des Bundesprogramms "Jugend für Vielfalt" werden in Brandenburg auch zehn so genannte lokale Aktionspläne im Kampf gegen den Rechtsextremismus umgesetzt. Ursprünglich hatten 21 Kreise und Gemeinden entsprechende Konzepte eingereicht. Das hätte jedoch den Rahmen des Programms deutlich überschritten, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums betonte.

In einigen Fällen seien mehrere Konzepte zusammengelegt worden. Sieben Anträge seien abgelehnt worden. Das Land suche jedoch nach Möglichkeiten, auch diese Vorhaben zu unterstützen. Der Bund stelle zur Umsetzung der Aktionspläne innerhalb von drei Jahren drei Millionen Euro zur Verfügung. Demnach stünden pro Aktionsplan und Jahr 100.000 Euro bereit.

Nach Ansicht der Linksfraktion reicht das Bundesprogramm nicht aus, um wirksam gegen Rechtsextremismus vorzugehen. Brandenburg brauche ein Ergänzungsprogramm, forderte Experte Andreas Bernig. Zwar sei die Zahl rechtsextremistischer Straftaten 2006 entgegen dem Bundestrend um 8,3 Prozent gesunken. Doch seien immer noch 90 einschlägige Gewaltstraftaten gezählt worden. In der Pro-Kopf-Statistik sei das der zweithöchste Wert im Osten Deutschlands.

(tso/ddp)

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