Berlin : Rechtsextremismus: Gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg

Alexander Pajevic

Zum traditionellen Aktionstag gegen Rassismus und Neonazismus kamen gestern Tausende Berliner und Gäste vor das Rote Rathaus in Mitte. Mit Diskussionsrunden, einem Kulturprogramm, einem Schriftstellerbasar und einem Kinderfest machten die Veranstalter gegen rechtsextremistische Gewalt und Fremdenhass mobil. Getragen wurde der "Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung" von einem Bündnis linker, antifaschistischer und kirchlicher Gruppen, die an rund 120 Ständen ihre Arbeit vorstellten. Es sei eine Generationen übergreifende Aktion, sagte der Sprecher des Bündnisses, Hans Coppi. Gefragte Gesprächspartner waren Mitglieder von Gewerkschaften, Parteien, Antifa-Gruppen und Verfolgtenorganisationen.

Der "Aktionstag gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg" vor dem Roten Rathaus fand zum zehnten Mal statt. Alljährlich wird damit am zweiten Sonntag im September an eine Tradition angeknüpft, die ihren Anfang schon 1945 nahm, als Überlebende von Konzentrationslagern und Zuchthäusern gemeinsam mit heimgekehrten Emigranten einen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialsmus ausriefen.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, sprach als Eröffnungredner und rief zu mehr Zivilcourage im Kampf gegen den Rechtsextremismus auf. Zu lange habe das bürgerliche Lager dem braunen Treiben bereits tatenlos zugesehen, erklärte er. Zudem hätten schon bei der ersten Veranstaltung im Jahr 1945 jüdische Überlebende vor dem Neofaschismus gewarnt. Dass es "immer die Gleichen sind, die sich treffen und sagen: Noch ist Deutschland nicht verloren", mache ihn "todtraurig und deprimiert", sagte Nachama.

Unter großem Applaus mahnte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde eine "antifaschistische Aktion des ganzen Landes" an. "Der Skandal fängt nicht in den Rathäusern an, sondern im Privaten", erklärte er. Wenn jemand im Hausflur von einem Nachbarn angepöbelt werde, gelte es, die Tür aufzumachen und zu helfen.

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