Rechtsextremismus : Neonazis demonstrieren ungestört in Marzahn

350 Neonazis, darunter ein schwarzer Block von 70 gewaltbereiten Teilnehmern: Sie zogen durch Marzahn und forderten "Todesstrafe für Kinderschänder". Gegendemonstranten erschienen fast keine, was Lokalpolitiker ziemlich enttäuscht.

von

370 Neonazis – deutlich mehr als erwartet – haben am Sonnabend in Marzahn- Hellersdorf für einen gnadenlosen Umgang mit Kinderschändern demonstriert. Unter den Demonstranten waren auffallend viele Frauen. Sie trugen Plakate und Transparente mit Aufschriften wie „Todesstrafe für Kinderschänder“, „Spielzeug kann man flicken, kaputte Kindheiten nicht“ oder „Todesstrafe statt Therapie“. Auf Sweatshirts stand „Keine Gnade für Kinderschänder“.

Die Partei Die Linke hatte zwei Gegendemonstrationen am Rathaus Marzahn und am U-Bahnhof Hellersdorf angemeldet, bei denen jedoch nur jeweils etwa 100 Teilnehmer erschienen. Es protestierten dort gemeinsam Mitglieder der Linken, der SPD und der Grünen. Der grüne Abgeordnete aus Marzahn-Hellersdorf, Stefan Ziller, zeigte sich enttäuscht, dass nur so wenig Menschen aus Mitte und Kreuzberg-Friedrichshain den weiten Weg in den Osten fanden. „Wir fahren ja auch in die Innenstadt, wenn dort gegen die NPD demonstriert wird“, sagte Ziller. Da mehrere Hundertschaften der Polizei rigoros den sieben Kilometer langen Marsch der braunen Szene abschirmte, gelang es den Gegendemonstranten nicht, diesen zu stoppen.

Unter den rechten Demonstranten befand sich ein aus etwa 70 gewaltbereiten Neonazis bestehender schwarzer Block, von denen viele aus Hamburg angereist waren. Dieser Block war nach Angaben von Polizeieinsatzleiter Lars Neumann „hoch aggressiv“ und wurde deshalb massiv seitlich von der Polizei begleitet. Angemeldet wurde der Aufmarsch von der NPD-Funktionärin Gesine Hennrich. Diese war nach eigenen Angaben Betroffene, weil ihr Sohn missbraucht worden sein soll. Der Landesverband der NPD, der die Demo zunächst angemeldet hatte, hatte sich später wieder zurückgezogen. Die Gründe für diesen innerparteilichen Zwist sind unklar.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar