• Rechtsextremismus: Wie die Grünen Kinder gegen rechtsradikale Einstellungen immunisieren wollen

Berlin : Rechtsextremismus: Wie die Grünen Kinder gegen rechtsradikale Einstellungen immunisieren wollen

Jeannette Goddar

Nach Ansicht der Berliner Bündnisgrünen darf der Kampf gegen rechtsextreme Einstellungen nicht erst bei Jugendlichen ansetzen. Auch in Schulen und Kitas müsse mehr Wert auf interkulturelle Erziehung gelegt werden, forderte gestern der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Özcan Mutlu. Im vorschulischen Alter beginnend "muss dafür Sorge getragen werden, dass die jungen Menschen begreifen, dass dies ein multikulturelles Land ist - ob ihnen das nun passt oder nicht", sagte Mutlu. So gehe es beispielsweise nicht länger an, dass mit Büchern gearbeitet werde, in denen lediglich deutsche und keine Kinder von Einwanderern vorkommen: "Die Realität muss sich auch dort widerspiegeln." Nur so könnten Grenzen in den Köpfen abgebaut und wirkliche Begegnungen geschaffen werden.

Mutlu forderte, sowohl die gezielte Vorbereitung auf multikulturelle Klassen in die Lehrerausbildung zu integrieren als auch die Rahmenpläne für den Unterricht "an die Realitäten anzupassen". Dass beispielsweise im Geschichtsunterricht eine ganze Epoche anhand der Kreuzzüge behandelt werde, ohne auf die Rolle des Islam in der damaligen Zeit einzugehen, könnten manche Schüler bereits als Wertung verstehen. Gleiches gelte für die immer noch nur vereinzelt angebotene zweisprachige Alphabetisierung sowie muttersprachliche Angebote.

Mit dem Einsatz von 100 Millionen Mark soll die Schulverwaltung tätig werden: Damit sollten in den kommenden Jahren 1600 neue Lehrer unter besonderer Berücksichtigung von Lehrern nicht-deutscher Herkunft eingestellt werden. Vor allem die Anzahl türkischer Lehrer an Berliner Schulen sinkt in der Tat seit Jahren stetig. So sind nach Angaben des Berliner Instituts für Lehrerfortbildung zurzeit von 294 türkischen Lehrern nur noch etwa 130 im Schuldienst.

Die Bündnisgrünen fordern ferner, dass Lehrer, die ihre Ausbildung in einem anderen Land absolviert haben, endlich ebenso besoldet werden wie ihre deutschen Kollegen. Vor allem an den zweisprachigen Europaschulen regt sich seit Jahren der Unmut darüber, dass die ausländischen Kollegen mehrere hundert Mark weniger im Monat verdienen, weil ihre Ausbildung von der Schulverwaltung als nicht gleichwertig anerkannt wird.

Wichtig ist nach Mutlus Auffassung zudem, dass integrative Angebote wie Schulstationen und Schülerclubs in die Regelfinanzierung übernommen werden. Ferner sollen Schulpartnerschaften zwischen Berlin und Brandenburg stärker gefördert werden. All diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, unter den Kindern nicht-deutscher Herkunft das Gefühl der Ausgrenzung zu mildern und unter den deutschen Kindern die Akzeptanz zu fördern. Auch wenn auf diese Weise nicht garantiert werden könne, dass nie wieder Rechtsextreme heranwüchsen, so zeige die Erfahrung doch, dass Menschen "mit derartigen Bildungsbiographien weniger empfänglich sind für rechtsextreme Haltungen".

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