Berlin : Rechtzeitig zur Wahl ökologisch

Senator Wolf steigt auf Wasserstoff-Dienstauto um Wowereit bleibt beim Turbo-BMW

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Wenn Benjamin Grothkopp den mausgrauen Dienstwagen im Hof des Roten Rathauses neben dem BWM 750 Li des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) und anderen Senatoren-Limousinen abstellt, dann muss er sich so manchen Spott von Kollegen anhören. Damit hat sich der Chauffeur von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) abgefunden – er antwortet dann: „Ihr werdet schon sehen, irgendwann fahrt ihr auch mit so was rum.“

„So was“ ist ein von Brennstoffzellen angetriebener Mercedes der B-Klasse, der in Berlin zurzeit nur in Spandau oder Friedrichshain mit Wasserstoff betankt werden kann. Gegen so was tauschte Wolf seine dunkle Limousine ein, nach einer Probefahrt, die sich am Rande eines Mercedes-Besuches in Stuttgart vor einigen Monaten ergeben hatte. Das muss etwa zu der Zeit gewesen sein, als die automobile Leidenschaft seines Chefs mächtig Ärger hervorrief, auch in eigenen Reihen: Denn Wowereits acht Zylinder starker, mit doppeltem Turbolader befeuerter BMW reißt mit 266 Gramm pro Kilometer die CO2-Bilanz des Senatsfuhrparks tief in den roten Bereich.

So gesehen ist Wolfs Wagenwahl der grüne Anstrich im rot-roten Senat – rechtzeitig vor der Wahl. Seine Staatssekretärin zieht mit. Almuth Hartwig-Tiedt, grau melierte offene Haare, sommerroter Leinenanzug, betont fröhlich: „Es gibt keine Rückfallgarantie, der Audi ist abgemeldet.“ Ersetzt ist ihr A6 durch ein Elektroauto, ein Mercedes der A-Klasse. Der laufe gut, sie steuere ihn auch mal selbst, am Wochenende, privat – stellt dann aber eilfertig klar: Den „Barwert“ für diese private Nutzung versteuere sie natürlich.

Die beiden Neuanschaffungen sind Teil eines größeren Plans: Berlin will „Schaufenster der Elektromobilität“ werden und sollte die Bewerbung im Herbst erfolgreich sein, winken Fördermittel. Für Mineralölkonzern Total, auf dessen Tankstelle die neuen Dienstwagen vorgestellt wurden, ist es gut fürs Image. Total baut die erste CO2-neutrale Tankstelle am künftigen Konzernsitz an der Heidestraße, nahe Hauptbahnhof. Doch das bescheidene Ziel von 120 emissionsfreien Autos zeigt: Der Weg zur elektromobilen Hauptstadt ist weit. Die Grünen ätzen: „Berlin zieht mit zwei Elektrofahrzeugen im kommunalen Fuhrpark gleich mit Wermelskirchen und Wipperfürth.“ Das ist nicht ganz gerecht, auch Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) fährt auf öko ab: das Hybrid-Auto Toyota Prius, mit kombiniertem Elektro- und Benzinantrieb.

Bei den neuen ganz emissionsfreien Autos ist oft das Tanken eine Hürde: Wo gibt es schon Steckdosen in den Berliner Quartieren, und die paar Zapfsäulen für Wasserstoff sind zu Wartungszwecken oft zu. Deshalb schickt Wolfs Fahrer SMS-Anfragen ab, bevor er die Zapfsäule ansteuert. Das Tanken selbst dauert drei Minuten, die Füllung reicht für 400 Kilometer.

Und was kostet Wolfs sauberer Dienstwagen den Steuerzahler? Eine Leasinggebühr von 950 Euro im Monat. Das ist viel im Vergleich zu Benzinern. Bei der geplanten „schrittweisen Umstellung des Fuhrparks“ sei dies zu berücksichtigen, sagt Senatssprecher Richard Meng. Wowereits BMW wäre dann wohl auch einer der letzten, der ersetzt würde: Der sei nämlich vor allem wegen der Panzerung so groß und dieses Gewicht nur schwer mit alternativen Antrieben zu bewegen.

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