Berlin : Recyclingfirma Rethmann: Kühlschrank-Schmuggel nach Afrika?

Thomas Loy

Die Umweltorganisation Greenpeace wirft dem Neuköllner Recyclingunternehmen Rethmann vor, in großem Stil FCKW-haltige Kühlschränke illegal nach Afrika zu verfrachten. Aus Protest wurde gestern das Werkstor der Rethmann-Niederlassung versperrt und Anzeige erstattet. Die Firma weist die Vorwürfe zurück. Seit Oktober 2000 seien keine FCKW-haltigen Kühlschränke mehr abgegeben worden, erklärte Unternehmenssprecher Burkhardt Greiff. Das sei lückenlos nachweisbar. Gegen Greenpeace habe man juristische Schritte eingeleitet.

Mitarbeiter der Umweltorganisation wollen über mehrere Wochen beobachtet haben, wie Lastwagen das Rethmann-Werk verließen, um zu einem Altgeräte-Händler nach Weißensee zu fahren. Dort habe ein Container bereitgestanden, der später im Hamburger Hafen aufgetaucht sei. Bei einer Öffnung durch Zoll und Umweltpolizei wurden 164 alte Kühlschränke und elf mit schrottreifen Kompressoren gefüllte Kühltruhen gefunden, versteckt hinter eine Lage neuerer Geräte. Der Bestimmungsort war Lagos in Nigeria. Die alten Kühlschränke enthielten alle FCKW im Kühl- und Isoliermaterial und dürfen nach einer EU-Richtlinie vom Oktober 2000 nicht mehr aus der EU exportiert werden. FCKW gilt als Treibhausgas und ist in Deutschland verboten.

Rethmann betreibt in Neukölln eine Kühlschrank-Recyclinganlage. Jährlich werden hier nach Firmenangaben 160 000 Altgeräte recycelt, also zerlegt, geschreddert und in verschiedene Stofffraktionen getrennt. Die Geräte werden von Kommunen im Raum Brandenburg geliefert. Rund 2500 gebrauchsfähige Altgeräte, die kein FCKW enthalten, würden ausrangiert und an verschiedene Händler verkauft, sagte Unternehmenssprecher Greiff. Die Händler müssten unterschreiben, dass sie nur FCKW-freie Geräte erhalten haben. Der erzielte Gewinn werde "bei der Preisgestaltung für unsere Dienstleistung" berücksichtigt.

Jährlich fallen in Deutschland rund drei Millionen alte Kühlschränke an - nach Greenpeace-Angaben erreiche jedoch nur ein Drittel des zu entsorgenden FCKW-haltigen Kühlmittels "R 12" die chemischen Entsorgungsbetriebe. Deshalb sei der illegale Export keine Sache von Kleinkriminellen, sondern von großen Entsorgungsfirmen. Mit der Verschiffung nach Afrika werde doppelt kassiert - für die Entsorgung und den illegalen Verkauf.

Für die Berliner Altgeräte, die in den BSR-Höfen abgegeben werden, ist die Firma BRAL zuständig, eine Tochter von Alba und BSR. Dort werden jährlich 100 000 Kühlschränke entsorgt, 60 Prozent davon enthalten FCKW. Die Entsorgung kostet den Bürger seit dem 1. April 2001 pauschal 20 Mark - egal wie groß die Geräte sind. Vorher wurden bis zu 40 Mark verlangt. Mit den 20 Mark müsse die BRAL auskommen, sagte Bernd Müller, Sprecher der BSR. Eine Quersubventionierung gebe es nicht. Keine Kühlschränke würden in dunklen Kanälen verschwinden.

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