Berlin : Recyclinghöfe: Die Zahl der Anlagen wurde mehr als halbiert

Rainer W. During

Trotz heftiger Bürgerproteste wird der Recyclinghof an der Frohnauer Burgfrauenstraße jetzt doch geschlossen. Am 4. August besteht hier letztmalig die Gelegenheit zur Anlieferung von Abfällen, die nicht in die häuslichen Mülltonnen gehören. Damit ist das Konzept der Berliner Stadtreinigung zur Umgestaltung des Angebotes von Anlaufstellen für die Bevölkerung weitgehend abgeschlossen. Als letzter Standort wird voraussichtlich im kommenden Jahr nach Abschluss des Umbaus der Anlage in der Mühlenstraße (Friedrichshain) die Station in der Fischerstraße (Lichtenberg) stillgelegt. Von einstmals 39 Recyclinghöfen stehen dann nur noch 18 zur Verfügung.

Im mit Tiergarten und Wedding vereinten Regierungsbezirk Mitte gibt es überhaupt keinen Recyclinghof mehr, ebenso wenig wie in den Altbezirken Kreuzberg und demnächst Lichtenberg. Dennoch sieht Sabine Thümler von der BSR in der Halbierung der Standorte keine Verschlechterung des Angebotes. Da der überwiegende Teil der Kunden nur bei größeren Entrümpelungsaktionen und dann mit dem Auto kommt, spielen verlängerte Anfahrtswege nach ihrer Sicht keine entscheidende Rolle. Insgesamt lieferten im vergangenen Jahr 2,1 Millionen Besucher rund 130 000 Tonnen Abfall auf den Berliner Recyclinghöfen ab - eine deutliche Steigerung gegenüber dem vergangenen Jahr. 50 Prozent der Besucher - so das Ergebnis einer Umfrage - nutzen den Service nur alle drei Jahre oder noch seltener. Der Anteil der nicht motorisierten Klienten ist "nicht messbar". Die Frohnauer sehen das anders. Als die Schließungspläne vor Jahresfrist bekannt wurden, hatten sich rund 800 Betroffene bei einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Standortes ausgesprochen.

Doch wie in anderen Bezirken auch blieben die Proteste ohne Erfolg. "Trotz intensiver Gespräche ist es nicht gelungen, die Berliner Stadtreinigung von ihrer Entscheidung abzubringen", bedauert Umweltstadtrat Thomas Gaudszun (SPD). Doch sei die BSR kein staatlicher Betrieb mehr, "in den man ohne weiteres politisch eingreifen kann", sondern ein Unternehmen, das sich den Marktmechanismen stellen müsse. Allerdings gab es auch in Reinickendorf nicht nur Befürworter des Recyclinghofes. Ein Anlieger hatte laut BSR mit einer Klage gedroht, wenn die Anlage nicht geschlossen wird. Wichtiger als die Entfernung ist, dass die verbliebenen, zum Teil vergrößerten Höfe den Bürgern jetzt durchgehend ein maximales Annahmespektrum und verlängerte Öffnungszeiten bieten, so Sabine Thümler. Geöffnet ist einheitlich werktags von 9 bis 19 Uhr sowie sonnabends von 7 bis 14.30 Uhr. Im Fall Burgfrauenstraße habe es sich bei den angelieferten Abfällen überwiegend um Papier, Pappe, Glas und Verpackungen, die in die gelbe Tonne gehören, gehandelt. Für Papier biete die BSR die blaue Tonne, die pro Abholung allerdings 8,95 Mark kostet. Mit dem Bezirk Reinickendorf werde gegenwärtig über die Aufstellung zusätzlicher öffentlicher Glascontainer gesprochen.

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