Berlin : Reden Sie, Majestät, wir sind ganz Ohr

Uwe Friedrichsen und Friedrich der Große: Der Schauspieler hat ein Hörbuch über den Preußenkönig gemacht

Andreas Conrad

Über Friedrich II. hat natürlich jeder so seine Vorstellungen. Endlose Schulstunden haben sie geprägt, der König von Preußen, Beiname Der Große, erscheint darin mehr als Monument denn als Mensch. Auch Uwe Friedrichsen hat das so gesehen, sah nur die preußische Ikone. Besondere Affinität zum Alten Fritz? Keine.

Im Preußenjahr 2001 hat der Schauspieler dann an einem Abend Texte von Friedrich II. und anderen gelesen, aber gezündet hat es auch da nicht richtig. Das kam erst vor einem Jahr, als er in Hamburg auf Einladung einer Versicherungsgesellschaft eine Preußen-Lesung gab. Und als dann der Braunschweiger Archiv-Verlag mit dem Anliegen an ihn herantrat, für die geplante Hörbuch-Edition „Friedrich der Große – Aus meinem Leben“ Majestät persönlich zu sprechen, konnte er nicht Nein sagen.

Das hat sich für ihn gelohnt: „Mittlerweile schmökere ich in dem Buch.“ Angefangen hat das auf fünf Doppel-CDs angelegte Projekt nämlich mit den vor einigen Monaten bei dem Verlag als Reprint herausgekommenen „Tagebüchern über Friedrich den Großen“. Zwischen 1840 und 1842 herausgegeben von Karl Heinrich Siegfried Rödenbeck, sind sie kein Tagebuch im eigentlichen, vielmehr im wörtliche Sinne, ein Geschichtskalender, der Tag für Tag das Leben des Preußenkönigs zu rekonstruieren versucht, teils nur kursorisch in Daten, teils in ausführlichen Zitaten. Das wurde für das neue Medium bearbeitet, ergänzt und jetzt in der Staatsbibliothek Unter den Linden, praktisch in Sichtweite des Reiterstandbilds von Christian Daniel Rauch, vorgestellt. Elke Diekenbrock und Harald Nikelsky haben die erläuternden Zwischentexte gesprochen, Uwe Friedrichsen die Worte des Königs. Nur sparsam wurden Klangkulissen dazugemischt, Andeutungen von Schlachtenlärm oder festlicher Stimmung, Musikstücke auch, die es gesammelt auf einer separaten CD gibt.

Mitunter erinnert das ein wenig an die bildungsbürgerlichen Schulfunksendungen vergangener Jahrzehnte, wird spannend weniger durch Hörspieldramatik als durch die Worte Friedrichs. „Hochinteressant“ fand Friedrichsen die Texte, die er zu sprechen hatte. „Das Reizvolle ist, dass Friedrich auf Schritt und Tritt menschlich nachvollziehbar ist“, also alles andere als abgehoben. Ein ganz neues Friedrich-Bild habe er dadurch gewonnen. Überraschend war für Friedrichsen schon der Dualismus aus Kriegsherr und Philosoph, sodann die Eigenart des Königs, Kleinigkeiten, die heute ganz unwichtig erscheinen, ungemein ernst zu nehmen, auf der anderen Seite aber Dinge, die aus heutiger Sicht Ungeheuerlichkeiten darstellen, mit einem Satz zu übergehen.

Eigentlich sei er „kein idealer Vorleser“, sieht Friedrichsen sich selbstkritisch. „Ich gebe zu, dass ich auch, wenn ich vorlese, nicht aufhöre, Schauspieler zu sein.“ Immer hat er versucht, „die Wertigkeit, die Temperatur“ eines Textes herauszustellen. Und wenn es auch nicht wie auf der Bühne war, hat er sich doch bemüht, in den Menschen Friedrich hineinzufinden – „bis an die Grenze, die hier meiner Meinung nach erlaubt ist“.

Die Hörbuchreihe „Friedrich der Große – Aus meinem Leben“ ist nur direkt über den Braunschweiger Archiv-Verlag zu beziehen (Tel. 0531/1222111). Die erste Doppel-CD „Hörbuch 1, 1740-1745“ und die CD „Musik am Hofe Friedrichs des Großen“ kosten jeweils 29,80 Euro plus Versandkosten. Die weiteren vier Doppel-CDs folgen in den nächsten Monaten. Hörproben unter www.historynet.de .

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