Reform derSekundarschulen in Berlin : "Das dreigliedrige Schulsystem kommt zurück"

Die Oberstufenzentren sind verärgert über den Vorstoß von Bildungssenatorin Sandra Scheeres für zusätzliche Oberstufen an Sekundarschulen. Damit käme das alte dreigliedrige System zurück, die berufliche Ausbildung werde benachteiligt.

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An etlichen Berufsschulen kann man nicht nur eine Berufsausbildung erlangen, sondern auch die Allgemeine Hochschulreife.
An etlichen Berufsschulen kann man nicht nur eine Berufsausbildung erlangen, sondern auch die Allgemeine Hochschulreife.Foto: dpa

Besorgt und verärgert haben Leiter der beruflichen Schulen auf die geplante Reform der Integrierten Sekundarschulen (ISS) reagiert. Die Vorschläge von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) würden erneut auf ein dreigliedriges Schulsystem hinauslaufen, mutmaßt Pit Rulff, der Leiter der Ernst-Litfaß-Schule. An die Stelle der früheren Hauptschulen träten die künftig in die Minderzahl geratenen Sekundarschulen ohne eigene Oberstufe.

Bislang hat die Mehrzahl der Sekundarschulen keine eigene Oberstufe: Die leistungsstärkeren Schüler sollen nach der zehnten Klasse auf die Oberstufenzentren (OSZ) der beruflichen Schulen wechseln. Diese Option ist bei den Eltern aber nicht sehr beliebt. Die Folge: ISS ohne Oberstufe haben weniger Anmeldungen und im Verhältnis mehr schwache Schüler als ISS mit Oberstufe. Dieser Tendenz wollte Scheeres mit den neuen Vorschlägen begegnen, die eine Gruppe von Schulleitern in ihrem Auftrag erarbeitet hatte.

„Hier wird wieder ein akademischer Bildungsweg präferiert, der die berufliche Bildung erneut deklassiert und nicht zur Beseitigung des Fachkräftemangels beiträgt“, heißt es in einer Mitteilung der Berufsschulleitervereinigung vom Mittwoch. Der „Kardinalfehler“ der Sekundarschulreform, dass an einzelnen Schulen Oberstufen erhalten blieben, werde fortgeschrieben. Andere Bundesländer seien „in ihrer Konsequenz erfolgreicher“.

"Flickschusterei und Geldverschwendung"

Gemeint sind damit insbesondere Sachsen oder Baden-Württemberg, wo nach der zehnten Klasse alle Schüler in die OSZ und in die duale Ausbildung oder auf das Gymnasium wechseln. Alles andere sei „Flickschusterei und Geldverschwendung“, sagte Rulff, da die ISS erwartbar nur „mickrige Oberstufen“ bilden könnten.

Für etliche Sekundarschulen kommt es zurzeit allerdings überhaupt nicht infrage, im Verbund mit anderen Schulen eigene Oberstufen aufzumachen. "Wir haben sehr positive und lebendige Kooperationen", berichtet etwa Babette Dudeck, Leiterin der Georg-von-Giesche-Schule in Schöneberg. Als Europaschule für Französisch kooperiert sie mit der Sophie-Scholl-Sekundarschule, die ebenfalls Europaschule ist und zum Abitur führt, sowie mit dem Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen in Moabit. "Wir würden eher das ausbauen, was wir haben", sagt Dudeck. Beides laufe "hervorragend", zumal sich die Lehrer der drei Schulen gut miteinander vernetzten.

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