Reformation : Berliner AfD will weiteren christlichen Feiertag

Jedes Jahr frei am Reformationstag? Mit diesem Vorschlag ist die AfD im Abgeordnetenhaus gescheitert. Doch die anderen Parteien schlagen alternative Termine vor.

Der Feiertag am 31. Oktober 2017 zum 500. Jahrestag der Reformation wird wohl eine Ausnahme bleiben.
Der Feiertag am 31. Oktober 2017 zum 500. Jahrestag der Reformation wird wohl eine Ausnahme bleiben.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Ein Antrag der AfD, den Reformationstag am 31. Oktober zum gesetzlichen Feiertag in Berlin zu erheben, wurde am Donnerstag im Abgeordnetenhaus von allen anderen Fraktionen abgelehnt. Die AfD begründete ihren Vorschlag damit, dass der erhebliche Beitrag der Reformation zur Modernisierung der christlichen Kirche, aber auch Europas im „protestantisch geprägten“ Berlin gewürdigt werden solle.

Außerdem sei die Hauptstadt feiertagsmäßig eindeutig das Schlusslicht in Deutschland. Diesen Argumenten folgten die anderen fünf Fraktionen allerdings nicht.

Andere Vorschläge: „Feiertag nach Wahl“ oder "Tag des Grundgesetzes"

Die Linken erinnerten daran, dass die große Mehrheit der Berliner konfessionslos sei. Die CDU forderte zunächst einmal eine breite gesellschaftliche Diskussion unter Einbeziehung der Kirchen über den Bedarf an weiteren religiösen Feiertagen. Die FDP will abwarten, bis die Wirtschaftskraft des Landes Berlin den Bundesdurchschnitt erreicht, und die Grünen können sich einen „Feiertag nach Wahl“ für die einzelnen Religionsgemeinschaften vorstellen.

Die SPD findet zwar auch, dass ein weiterer Feiertag für Berlin angemessen wäre, hat aber andere Vorschläge. Beispielsweise den 8. Mai (Befreiung vom Faschismus), den 23. Mai (Tag des Grundgesetzes) oder den 27. Januar (Befreiung von Auschwitz). Möglich wäre auch ein gemeinsamer, multireligiöser Feiertag für Christen, Juden und Muslime. Der Gesetzesantrag der AfD wird nun in den Fachausschüssen weiterdiskutiert.

Einen zusätzlichen gesetzlichen Feiertag möchten auch die nördlichen Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein einführen – ob es der Reformationstag wird, wie von der evangelischen Kirche gewünscht, ist ungewiss. Die Nordländer verweisen darauf, gegenüber dem mit Feiertagen üppig ausgestatteten Süden Deutschlands deutlich benachteiligt zu sein.

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