Reformen : Chaos zum Schulanfang?

Die Berliner Schulen stehen vor dem bisher größten Reformjahr ihrer Geschichte. Bildungssenator Klaus Böger nennt es "ein Schuljahr des Aufbruchs" - doch es gibt auch viel Kritik.

Berlin (05.08.2005, 11:42 Uhr) - Erstmals starten die diesmal 41 000 ABC-Schützen schon im Alter von 5 1/2 Jahren. Einen Neubeginn gibt es auch für die Horte, die von den Kitas an die Schulen verlagert worden sind. Nahezu alle Grundschulen werden so zu Ganztagsgrundschulen mit wahlweiser Betreuung bis 18.00 Uhr.

In diesem Jahr werden 330 615 Schülerinnen und Schüler die knapp 800 allgemein bildenden öffentlichen Schulen der Hauptstadt besuchen. Die Schulanfänger haben noch etwas Aufschub und müssen erst vom Samstag nächster Woche an (13. August) die Schulbank drücken. Durch die vorgezogene Einschulung steigt erstmals seit 1995 die Schülerzahl in Berlin wieder. Seit 1996 hat sich die Zahl der Schüler um etwa 70 000 verringert. Nach der einmaligen Steigerung in diesem Herbst wird der Rückgang ungebremst weiter gehen. Durch die sinkenden Geburtenzahlen sind bis 2015 noch einmal 40 000 Schüler weniger prognostiziert.

An den Schulen sind rund 32 000 Lehrkräfte und 4000 Erzieher im Einsatz. Durch die Verlagerung der Horte an die Schulen müssen sie in Zukunft wesentlich enger zusammen arbeiten als bisher. Senator Böger sagte dazu in seiner traditionellen Jahres-Pressekonferenz im Roten Rathaus: «Lehrer und Erzieher müssen auf gleicher Augenhöhe zu dem gemeinsamen Bekenntnis finden: Das sind unsere Kinder.»

Zu den wesentlichen Neuerungen auf der Grundlage des Schulgesetzes von Anfang 2004 gehört an den Grundschulen die so genannte flexible Schulanfangsphase. In den Startklassen an 48 Schulen lernen Kinder unterschiedlicher Jahrgänge. Dies ist aus Bögers Sicht für die Kinder «ein Gewinn». Zusammen lernen eröffne die Chance, besser und sozialer zu lernen. Das Motto laute: «Zeige mir mal, wie du das machst.»

Zum Streit um die Zahl der Neueinstellungen von Lehrkräften sagte Böger, er habe mit zusätzlichen 170 Stellen auf die erhöhte Anmeldung von ABC-Schützen kurzfristig reagiert. Damit würden insgesamt 490 Vollzeitstellen neu eingerichtet. Da einige davon Zwei-Drittel- Stellen seien, könnten unter dem Strich 563 Lehrer in diesem Schuljahr neu anfangen. Die Bildungsgewerkschaft GEW und der Landeselternausschuss hatten mindestens rund 700 Stellen verlangt. Böger sagte, er kenne in ganz Deutschland keinen Finanzminister, der Wunschvorstellungen erfüllen könne. (tso)

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