Berlin : Regatta de Berlin

Beim 1. Neuköllner Ruderfestival finden Leistungs- und Breitensport zusammen

Mathias Klappenbach

Ausgerechnet die Weltmeister landeten im Wasser. Kurz bevor Carsten Borchardt und Martin Hesse ihr Zweierboot ins Ziel gerudert hatten, brach bei voller Fahrt der Ausleger ab. Die ganze Kraft der beiden Lokalmatadoren von der Rudergemeinschaft Wiking lag in diesem Moment auf der Halterung, die die Ruder ins Wasser führt. Das Boot kippte um, und für einen Moment waren die beiden gefangen, weil Ruderschuhe fest in den Booten angebracht sind.

Doch diejenigen der insgesamt 1000 Zuschauer, die am Freitag zum Neuköllner Ruderfestival an das Delfter Ufer des Britzer Zweigkanals gekommen waren, lachten. Borchardt und Hesse lachten auch, als sie aufgetaucht und unversehrt an Land geschwommen waren. Schließlich kommt so ein Materialfehler nur alle paar Jahre vor. Und bei der Regatta ging es von Freitag bis Sonntag nicht nur um Leistung, sondern auch um Spaß.

Das Festival führte zum ersten Mal Veranstaltungen aus Leistungs- und Breitensport zusammen, die bisher voneinander getrennt stattgefunden haben. Seit 1962 richtet der Ruderverein Sternfahrten aus, bei denen so genannte Wanderruderer aus Berlin und dem Umland sich auf den bis zu 40 Kilometer langen Wasserweg machen. Und es wurde voll im großen Bootshaus, knapp 1000 Hobbyruderer legten sich in diesem Jahr in die Riemen, um durch Muskelkraft und mit dem beruhigenden Gefühl des eigenen Rhythmus ans Ziel zu kommen.

Aber nicht nur die Sternfahrt hat Tradition, das unter dem Motto „Roots of Berlin Rowing“ stehende Festival ließ auch einen anderen, 110 Jahre alten Wettbewerb wieder aufleben. Bei der „Neuköllner Ruderregatta“, die in diesem Jahr zum 50. Mal ausgetragen wurde, wurde das viele Jahrzehnte nicht ausgetragenen Langstreckenrennen um den „Silbernen Riemen“ wieder in das Programm aufgenommen. Von den Treptowers bis in den Britzer Hafen mussten die Ruderer fünf englische Meilen, also knapp acht Kilometer hinter sich bringen. In England zählt Rudern, das gleichermaßen Kraft- und Ausdauersport ist, zu den traditionellen Sportarten, die die ehemalige Kolonialmacht auch in anderen Ländern verbreitete. Zur Royal Henley Regatta kommen 100 000 Zuschauer, manche von ihnen stilecht im Rolls- Royce mit Butler, der in weißen Handschuhen den Picknickkorb aus dem Kofferraum holt, das Patronat hat die königliche Familie.

In Berlin übernahm immerhin der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Schirmherrschaft, am Freitag gab es einen Empfang im Roten Rathaus. Und für die Zuschauer an der Strecke gab es ein besonderes Highlight. Das längste Ruderboot der Welt, ein 24-Sitzer, schoss geradezu über die Spree. Natürlich außer Konkurrenz, aber die Ruderer des Mammutboots sahen im Ziel fast genauso erschöpft aus wie die Langstreckenruderer, die sich nach den fünf Meilen aus den Booten quälten.

Das schnellste Team bei dieser internationalen Vereinsregatta mit Teams aus Polen, Schweden und den Niederlanden war die Mannschaft vom Ruderklub am Wannsee, die knapp über 25 Minuten für die Langstrecke benötigte. Der RaW entschied auch die zweite Disziplin der Leistungsruderer, den Sprint-Cup, für sich. Durch die beiden Siege landeten die Ruderer vom Wannsee auch in der Gesamtwertung der „Berlin Roots of Rowing“ auf dem ersten Platz.

Zweiter wurde der Gastgeber RG Wiking. Im Vereinsachter saßen auch die Weltmeister Borchardt und Hesse. Das Boot hielt, und diesmal blieben alle trocken.

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