Regen in Berlin : Knall auf Fall - der Regen macht die Bäume schwach

Obwohl es beim Gewitter gar nicht stürmte, stürzten viele große Bäume um. Berlins Kanalisation ist für solche Wassermassen nur bedingt ausgelegt.

Schräglage. So sah’s nach dem Starkregen am Wochenende im Pankower Florakiez aus.
Schräglage. So sah’s nach dem Starkregen am Wochenende im Pankower Florakiez aus.Fotos: Alexander Fröhlich

Bei diesem Wetter werden selbst die Bäume schwach. Zu Dutzenden krachten sie bei dem Unwetter am Sonnabend herunter – auf Tramgleise, S-Bahn-Trassen, Straßen, Autos. Vor allem der Berliner Norden war betroffen. Dabei war die Gewitterfront zwar mit heftigem Regen verbunden, nicht aber mit Sturm. Die gemessenen Windspitzen der Stärke fünf bis sechs werden normalerweise keinem Baum gefährlich, der halbwegs intakt ist. Warum also diese massiven Schäden?

„Der Boden, also das Fundament der Bäume, ist nach solchen wiederkehrenden Starkregen total aufgeweicht“, sagt Marc Franusch, Sprecher der Berliner Forsten. „Bei einem Baum mit großer Krone kommt während des Regens eine nicht zu unterschätzende Last hinzu, die oben am Hebel wirkt. Da reicht eine kleine Böe, um den Impuls zum Kippen zu setzen.“ Straßenbäume seien anfälliger als jene im Wald. Derk Ehlert von der Umweltverwaltung bestätigt: „Straßenbäume bilden oft nur direkt um den Stamm Wurzeln, weil es ringsum unter versiegeltem Boden zu trocken für sie ist. Und viele sind von teils lange zurückliegenden Tiefbauarbeiten geschädigt.“

Folgeschäden sind unwahrscheinlich

Bei den in der Stadt dominierenden Laubbäumen kommt der Effekt der großen Angriffsfläche hinzu: Während ein Wintersturm samt Regen einfach durchrauschen kann, drückt jetzt die Last von Wasser und Wind aufs Laub. Das bedeutet aber auch: Wenn der Regen durch ist, sinkt auch das Risiko. „Ich glaube nicht, dass wir noch Folgeschäden haben werden“, sagt Franusch. Aus den Wäldern seien ihm gar keine Schäden gemeldet worden. „Da fällt höchstens mal ein Baum um, der ohnehin schräg oder am Hang stand.“ Oder an einem Bahndamm.

Die Feuerwehr hatte am Sonnabend stadtweit 435 wetterbedingte Einsätze abzuarbeiten. Wie viele Bäume und wie viele Wasserschäden betrafen, wurde nach Auskunft der Leitstelle nicht erfasst. Das Gewitter am Sonntagmorgen sei dagegen harmlos gewesen und habe keine Einsätze veranlasst.

Während Sonntagfrüh in den meisten Stadtteilen etwa fünf bis acht Liter Regen pro Quadratmeter fielen, waren es am Sonnabend bis zu 60. Und die fielen größtenteils binnen einer Stunde, was für die Kanalisation offensichtlich zu viel war.

18 "Mischwasser-Einzugsgebiete"

Als Faustregel gilt, dass es etwa ab 20 Liter Regen pro Quadratmeter und Stunde Probleme gibt. Nach Auskunft von Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe (BWB) ist die Kanalisation „je nach Ortsteil und Versiegelungsgrad ausgelegt für ein- bis fünfjährig wiederkehrende Niederschläge“. Die BWB unterteilen die Stadt in 18 „Mischwasser- Einzugsgebiete“, in denen also Regen- und Schmutzwasser gemeinsam abfließen. Am Sonnabend sei die Kanalisation in fünf dieser 18 Gebiete übergelaufen – und spülte Dreck in die Gewässer. Bei dem Starkregen Ende Juni dagegen war es laut Natz in allen Gebieten übergelaufen. „Das kann man wirklich als ein Jahrhundertereignis bezeichnen.“

Letzte Sicherung nach den innerstädtischen Mischwasser-Überläufen sind die „Notauslässe“, bei denen die Kanalisation an definierten Stellen in „Vorfluter“, also möglichst in nahegelegene Gewässer, überläuft, damit die Pumpwerke nicht absaufen. Einzelne solcher Notauslässe habe es auch am Samstag gegeben.

In den Außenbezirken ist die Kanalisation nach Schmutz- und Regenwasser getrennt. Bei Wolkenbrüchen haben manche Hausbesitzer allerdings zu kämpfen, weil die Regenkanäle das Wasser nicht mehr aufnehmen können. Das drängt dann ins Schmutzwassersystem und zu den Hausanschlüssen. Die Rückschlagklappen in Gebäudekellern sind laut Natz für solche Fälle manchmal zu schwach.

Jetzt kann das Wasser versickern und abfließen, bevor am Dienstag Nachschub folgt. 20 bis 25 Liter pro Quadratmeter seien absehbar, sagt Dennis Brüning vom Wetterdienst Meteogroup. Vielleicht auch etwas mehr.

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