Berlin : "Regenbogenfamilien": Meine Mütter sind lesbisch

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Die Mutter ist blond und hellhäutig, die Co-Mutter ist grünhaarig und dunkelhäutig, und das Kind ist blass. Aber es hat eine leuchtend rote Krone auf. Mädchen und Jungen, die in lesbischen Familien aufwachsen, sind kleine Prinzen und Prinzessinnen, will das Plakat der Senatsverwaltungen für Jugend und für Soziales sagen. Sozialsenatorin Gabriele Schöttler sieht es ähnlich positiv: "Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern wachsen mindestens ebenso gut auf wie in anderen Familien", sagte sie gestern bei der Vorstellung einer Tagung zum Thema "Regenbogenfamilien". Wenn nicht besser, weil das Aufwachsen im Anderssein toleranter mache, glaubt Schöttler. Am heutigen Sonnabend treffen sich in der Alten Feuerwache (Axel-Springer-Straße 40-41, Kreuzberg) Eltern, Co-Eltern, Kinder, Fachkräfte aus Schulen und Behörden und Regenbogen-Projekte.

Anlass der Tagung ist die bevorstehende Ratifizierung des Bundesgesetzes über die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle und Lesben. 20 000 lesbische, schwule, bi- oder transsexuelle Eltern leben schätzungsweise in Berlin. Rechte, die ihnen bislang vorenthalten werden, sollen sie voraussichtlich ab Sommer 2001 bekommen: Ein so genanntes kleines Sorgerecht für die Kinder, ein Umgangsrecht im Trennungsfall und klare Regelungen im Todesfall.

Wer die Familie als richtigen Ort für Kinder wirklich schützen will, sagt Gabriele Schöttler, dürfe nicht fragen, welche Struktur diese Familie habe. In Berlin sei die Akzeptanz für schwule und lesbische Lebensgemeinschaften mit Kindern zwar weit höher als anderswo in Deutschland. Aber immer noch fürchteten sich Mütter und Väter vor dem coming out, weil die Kinder in Kita oder Schule diskriminiert werden könnten, beklagte auch Jugend-Staatssekretär Frank Ebel. Wenn das Gesetz die Hürde im Bundesrat schafft, will Berlin mit einem besonders liberalen Gleichstellungsgesetz nachsetzen: Insgesamt sollen 34 Gesetze, darunter Regelungen zu Beamtenbesoldung und Auskunftsrecht im Krankenhaus zu Gunsten gleichgeschlechtlicher Orientierungen geändert werden. Irgendwann soll es dann in Berlin so sein, wie der Vertreter der dänischen Schwulen- und Lesbenorganisation sagte: "Wir haben ein großartiges Dasein in der Gesellschaft."

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