Berlin : Regierungsumzug: Die Beamten sind das Pendeln leid

Holger Stark

Sie sollten eine Brücke zwischen Bonn und Berlin schaffen und den Bundesbediensteten den Wechsel des Arbeitsplatzes erleichtern. Doch zum Jahresende werden die speziellen Pendler-Züge für Angestellte der Bundesministerien eingestellt - wegen geringer Nachfrage, bestätigte das Verkehrsministerium gestern. Lediglich die speziellen Beamten-Flüge von Schönefeld nach Köln / Bonn werden aufrecht erhalten. Der Bund spart dadurch einen zweistelligen Millionenbetrag.

Vor dem Regierungsumzug im Juli 1999 ging das Verkehrsministerium, das den Umzug organisierte, von bis zu 7000 Pendlern zwischen Rhein und Spree aus. Noch in Bonn zeichnete sich ab, dass weniger Angestellte zwischen Arbeits- und Wohnort hin und her wechseln wollten. Zum Zeitpunkt des Umzugs sah die Kalkulation noch etwa 5000 Pendler vor. "Wir waren optimal vorbereitet", sagt Richard Schild, einer der Ministeriums-Sprecher. "Aber das Leben ist manchmal anders, als man es vorher berechnet hat."

Auf Dauer ging vielen der Pendler die wochenendliche Fahrerei auf die Nerven. Monat für Monat entschlossen sich mehr ehemalige Rheinländer, ganz nach Berlin oder ins Brandenburger Umland zu ziehen. So, wie Christoph M. aus dem Bundesarbeitsministerium, der etwa ein Jahr lang alle zwei Wochen für ein Wochenende nach Hause fuhr. Als "Pendler zwischen zwei Welten" fühlte er sich dabei. In diesem Herbst beschloss M., ganz nach Berlin zu ziehen: "Irgendwann muss man wissen, wo der Lebensmittelpunkt ist."

Viele ließen sich versetzen

Andere nutzten die so genannte "Ringtauschaktion" des Bundes: Sie ließen sich von einer Behörde in eine andere versetzen und konnten so an ihrem Wohnort bleiben. Dazu gingen viele Beamte in den Vorruhestand - auch das reduzierte die Nachfrage.

Erster Zug im August gestrichen

Im Spätsommer diesen Jahres nutzten noch etwa 1100 Bundesbedienstete den Service; zuletzt waren es gerade noch rund 650, die entweder mit der Bahn oder dem Flugzeug heimreisten. Ein einziger der ursprünglich geplanten ICE-Sonderzüge hätte mehr Passagiere befördern können. Schon nach kurzer Zeit halbierte das Ministerium die Zuglänge allerdings. Der ICE fuhr am Freitagnachmittag vom Bahnhof Charlottenburg über Köln und Bonn bis nach Bad Godesberg. In diesem August strich das Verkehrsministerium als erstes den Zug am Sonntagabend von Bonn nach Berlin - weil viele Pendler noch den Montag frei nahmen oder sich Termine in Bonn organisierten.

Ein weiterer Grund für das Verkehrsministerium, nun das komplette Sonderangebot zu streichen, ist das erweiterte Angebot der Bahn. "Zum Zeitpunkt des Umzugs gab es keine gute Verbindung von Berlin nach Bonn", sagt Schild. Mitlerweile fahren die Züge vom Ostbahnhof allerdings stündlich; in Hamm teilt sich der Zug. Während der vordere Teil nach Düsseldorf rollt, fahren die hinteren Wagen nach Bonn. "Wer will, kann damit ganz normal pendeln", verspricht Schild. "Das entlastet mächtig." Die Kosten werden wie bisher vom Bund bezahlt.

Was bleibt, sind die Shuttle-Flugzeuge. Die Deutsche BA und die Germania-Fluglinie bieten auch weiterhin für Staatsbedienstete von Schönefeld einen Sonderflug nach Bonn an. Die Nachfrage ist deshalb konstant, weil die Shuttle auch Berliner Senatsmitarbeitern und Brandenburger Beamten offen stehen, die dienstlich nach Bonn müssen. "Die Zahlen haben bei den Flügen schon immer geschwankt", sagt Joachim Drab vom Bundesamt für Güterverkehr, das die Flüge organisiert. "Wir bleiben da flexibel."

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