Regierungsviertel in Berlin : Eine namenlose Straße verschwindet

Seit 13 Jahren windet sich eine namenlose Straße durchs Berliner Regierungsviertel, die als Abkürzung beliebt ist. Jetzt soll sie abgerissen werden, Autos müssen einen Umweg über die Kronprinzenbrücke fahren.

von und Alexander Haneke
Spaziergänger auf dem Weg über die Kronprinzenbrücke ins Regierungsviertel.
Spaziergänger auf dem Weg über die Kronprinzenbrücke ins Regierungsviertel.Foto: Picture Alliance / dpa

Gegen die Entlastungsstraße ist der namenlose Bogen natürlich nur zweite Liga. Die Entlastungsstraße, als „Notstraße“ nach dem Mauerbau für West-Berliner Autofahrer durch den Tiergarten geschlagen, hatte 45 Jahre gehalten. Auch die Behelfskurve um die Schweizer Botschaft war nur als Provisorium angelegt worden. Dieses Provisorium, das wie einst die Entlastungsstraße an der Moltkebrücke beginnt, hält mittlerweile seit 13 Jahren. Nun wird – mal wieder – über den Abriss gesprochen. Aber diesmal ernsthafter als bisher.

Die Straße soll nach Plänen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zwischen Moltkebrücke um die Schweizer Botschaft herum zum Paul-Löbe-Haus zurückgebaut werden. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher kündigte jetzt an, dass der Senat „in den letzten Zügen der Lösung“ sei. Einen richtigen Namen hatte die Straße nie bekommen, einen Gehweg gibt es nur auf einer Seite. Der Spreebogenpark wird nach dem Abriss größer.

Ursprünglich war die Straße nur für die Bauarbeiten gedacht

Ursprünglich diente die Kurve nur als Baustraße. Dann wurde allerdings der Tiergartentunnel nicht rechtzeitig zum Regierungsumzug fertig. Die Stadt beließ das Provisorium zunächst, um den Durchgangsverkehr auf der Nord-Süd-Achse aufzunehmen.

Regierungsviertel soll kieziger werden
Das Regierungsviertel wirkt an vielen Stellen wie hier am Kanzleramt nicht besonders attraktiv.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: Thilo Rückeis
20.05.2012 17:20Das Regierungsviertel wirkt an vielen Stellen wie hier am Kanzleramt nicht besonders attraktiv.

Als der Tiergartentunnel dann im Jahr 2006 eröffnet wurde, hätte die Behelfskurve verschwinden sollen. Doch dann meldete das Kanzleramt Sicherheitsbedenken an. Die Willy-Brandt- Straße zwischen Moltkebrücke und Paul-Löbe-Haus wurde für Autos gesperrt, nur BVG-Busse und Fahrräder dürfen durch. Mehr wollten die Sicherheitsbehörden direkt vor dem Kanzleramt nicht zulassen. Der Schlenker um die Botschaft aber blieb. Und wurde gerne genutzt, nicht nur aus Sicht der Schweizer Botschaft zu gerne. Trotz des Auto-Tunnels war der Schleichweg durchs Regierungviertel beliebt, vor allem bei Taxifahrern, Veranstaltern von Stadtrundfahrten und anderen Ortskundigen.

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