Regierungsviertel in Berlin : Für den Rasen am Reichstag ist kein Geld da

Wo der Bundestag hinschaut, wächst kein Gras mehr: Die Rasenfläche vor dem Reichstag ist abgetreten und unansehnlich. Zuständig für die Pflege wäre eigentlich der Bezirk Mitte. Doch der hat kein Geld - und beklagt sich beim Bausenator.

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Das Grün franst aus. Für die Pflege des Platzes der Republik fehlt das Geld.
Das Grün franst aus. Für die Pflege des Platzes der Republik fehlt das Geld.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Die schönen, frisch geputzten Schuhe des Senators! Glitschig ist es, nass, unfreundlich. Das liegt nicht nur am Wetter, sondern auch am Untergrund. Michael Müller (SPD), Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, hat sich auf seiner Tour schon in zehn Bezirken umgeschaut – nun also in Mitte.

Bezirksbürgermeister Christian Hanke und Stadtrat Carsten Spallek sind auch im Bus, der zuerst am Reichstag hält, wo die Crew in die Knie geht, um die Bewässerungsanlagen auf der Reichstagswiese zu inspizieren. Das sind computergesteuerte, empfindsame Metallvierecke im Boden, dessen Grasnabe an vielen Stellen braun ist und huckelig. Wenn so ein Steuerelement ausfällt, kostet ein neues 12 000 Euro, aber „die Mittelzuweisung ist leider nicht auskömmlich“, sagt Stadtrat Spallek. Klartext: Ich brauch mehr Geld. Jürgen Götte vom Grünflächenamt beklagt, dass Müllbehälter nicht regelmäßig geleert werden können. Die Decke ist zu kurz, die Belastung zu groß: Die Touristen bewundern den Rasenplatz wie sie ihn belächeln („Das soll die Hauptstadt sein?“), Radfahrer pesen über die Wiese, wie es ihnen gefällt, da könnte ein kleines Zäunchen helfen, aber auch das kostet. Und neuer Rollrasen? Unbezahlbar.

Hanke möchte „Private mit in die Verantwortung nehmen und Bürgerengagement fördern“, Müller hofft, dass der Bund „direkt vor seiner Haustür hilft, zu einer Lösung zu kommen“. Der Bundestag: „Ist nicht unsere Aufgabe.“ Also bleibt’s bei Wüste im Sommer und Matsch im Winter. Vor der Apartment-Vermietung in der Behrenstraße signalisiert Müller, dass die Zweckentfremdung von Wohnraum bald ein Ende hat und freut sich, dass das Alex-Carree samt Umgebung nun modernisiert wird. Immerhin.

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