Berlin : Regisseure im „Verhör“

Wie türkische Blätter über den Film „Das Tal der Wölfe“ berichten

Suzan Gülfirat

Selten hat ein türkischer Film so sehr die Gemüter erregt wie „Tal der Wölfe“. Er sei antiamerikanisch und antisemitisch, sagen Kritiker, und Politiker wollen den Film verbieten, der seit knapp drei Wochen in deutschen Kinos läuft. Deshalb gaben der Produzent des Streifens Raci Sasmaz und der Autor Bahadir Özdener am Donnerstag im Grand Hyatt Hotel in Berlin eine Pressekonferenz. Damit füllten die türkischen Zeitungen am Freitag ganze Seiten. Und vielleicht macht eine Überschrift, die in der Milliyet erschien, am besten deutlich, wie diese Pressekonferenz gelaufen ist: „Wir sind weder antisemitisch noch amerikafeindlich“, zitierte die Zeitung in großen Buchstaben die Macher des Films.

Bei dieser Pressekonferenz wollten die deutschen Journalisten vor allem wissen, warum in dem Film ein Arzt , der mit Organhändlern zusammenarbeitet, ausgerechnet ein Jude sein muss. Und warum Kisten mit Organen nach Israel geschickt werden. Doch nicht nur die beiden Männer aus der Türkei, sondern auch die türkischen Zeitungen konnten nicht verstehen, was die Journalisten wollten. „Deutsches Verhör während Live-Berichterstattung“, titelte zum Beispiel die Milliyet. Die beiden Landsmänner auf der vermeintlichen Anklagebank zitierte die Zeitung auf ihrer Titelseite mit den Worten: „Ihr (die Journalisten) seid voller Vorurteile. Ihr bleibt an zwei Stellen des Films hängen und wollt uns verleumden.“ Und auch die Hürriyet kam aus dem Staunen nicht heraus. „Eine Armee aus Journalisten gegen Tal der Wölfe“, kommentierte die Zeitung das deutsche Interesse an diesem Thema. An anderer Stelle auf der Seite heißt es: „Die Konferenz verfolgten 150 Journalisten.“ Genauso machten die Zwischenzeilen in dem Bericht der Hürriyet deutlich, dass auf dieser Pressekonferenz zwei Welten aufeinander prallten. „Die Vorurteile habt ihr erfunden“ und „Es gibt keine Vorurteile“ steht da.

Am Mittwoch hatte die Hürriyet über die Unterstützung für den Film aus den Reihen der Grünen berichtet. „Was soll denn an dem Film verboten werden?“, soll die Parteivorsitzende Claudia Roth gesagt haben. Genauso kam auf dieser Seite der amerikanische Generalkonsul in München, Matthew M. Rooney, zu Wort: „Warum soll es nicht auch einen türkischen Rambo-Film geben?“ Wer die türkischen und deutschen Nachrichten vergleicht, bemerkt nicht nur beim Karikaturenstreit einen tiefen Graben zwischen deutschen und türkischen Journalisten, sondern auch bei diesem Film. So fragt die Hürriyet auf ihrer Internetseite: „Soll der Film verboten werden?“ Bis Sonntag hatten an der Befragung 34378 Leser teilgenommen. 46,61 Prozent – also fast die Hälfte der Besucher der Hürriyet-Seite – waren dafür. Wozu dann also die Verteidigung des Films?

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