Berlin : Reichstag: Interview: "Wir zahlen drauf"

Michael Käfer betreibt mit seiner Firma die B

Michael Käfer betreibt mit seiner Firma die Bundestagsrestaurants.

Betreiber der drei Restaurants im Bundestag ist die Münchener Feinkost-Firma Käfer. Dem Firmenchef Michael Käfer sind schon durch die Verzögerung der Bauarbeiten in den benachbarten Bürogebäuden für die Abgeordneten sind ihm erhöhte Kosten entstanden. Hinzu kommen Verluste aus der Kantinenversorgung von Abgeordneten und Mitarbeitern. Der Gastronom hatte, wie berichtet, um ein finanzielles Entgegenkommen des Bundestags gebeten. Inzwischen hat der Ältestenrat entschieden, dass Käfer in diesem Jahr eine halbe Million Mark weniger zahlen muss. Über Gründe für den Bar-Boykott, Auslastung und Alternativen sprach Sabrina Born mit Michael Käfer.

Seit wann wissen Sie vom Bar-Boykott der Abgeordneten?

Das geht eigentlich schon seit der Eröffnung so. Verstärkt hat sich der Trend seit im Keller der Parlamentarischen Gesellschaft gegenüber dem Reichstagsgebäude die kleine Kneipe wieder ihren Betrieb aufgenommen hat. Die war schon in Bonn ein beliebter Treffpunkt. Wir haben dann in Abstimmung mit der Bundestagsverwaltung die regelmäßige Bewirtschaftung der Bar im Bundestag eingestellt. Jetzt richten wir dort Arbeitsfrühstücke aus.

Welche Gründe führten aus Ihrer Sicht zum Scheitern der Bar?

Aus meiner Sicht als Gastronom ist die Bar, diplomatisch gesagt, a bisserl untypisch.

Was meinen Sie damit?

Wir kannten die Situation aus Bonn. Eine Bar ist dazu gedacht, dass Politiker bei einem Mineralwasser mal ungestört über Themen quatschen können. Die Atmosphäre des Raumes war dazu einfach nicht gemacht. Der Raum ist relativ hoch. Eine Bar muss gemütlicher, einfach rustikaler sein.

Wie groß war der Verlust, der Ihnen durch die mangelnde Auslastung entstanden ist?

Unser Kerngeschäft ist das Abgeordneten-Restaurant, Bistro und Caféteria, sowie die Service-Dienste für den Parlamentspräsidenten und für die Fraktionen, beispielsweise Kaffee- und Brötchenverkauf. Aufgaben wie die Bar oder die Kantinenversorgung in der Caféteria haben uns sehr belastet. Deshalb haben wir mit dem Bundestag verhandelt. Bestimmte Dinge waren nicht vertragskonform, die sind dann in gegenseitiger Übereinstimmung geändert worden.

Was wurde noch geändert?

Noch zahlen wir bei der Bewirtschaftung des Bundestags drauf. So zum Beispiel bei den Preisen für die Kantinenversorgung. Dort bieten wir Essen zum halben Preis an. Das machen wir freiwillig. Auf Dauer könnten wir uns das nicht leisten.

Sind Sie froh, wenn die Bewirtschaftung der Cafetéria durch die neu gebauten Bundestagskantinen wegfällt?

Ja. Denn im Reichstag werden dann wieder mehr repräsentative Dinge hinzukommen. Bisher waren alle Konferenzräume besetzt. Das wird sich mit dem Umzug der Abgeordneten in die Neubauten ändern.

An was denken Sie dabei?

Wenn zum Beispiel der Parlamentspräsident eines anderen Landes zu Besuch kommt, dann ist es üblich, dass der Bundestagspräsident ihn ins Parlament einlädt. Wegen der Raumknappheit wurden diese Besuche bisher meist in umliegende Restaurants verlegt. Das soll sich wieder ändern.

Wie kann die Bar weiter genutzt werden?

Ich kann mir vorstellen, dass der davorliegende Lobby-Raum einbezogen wird, dessen Mobiliar mit den dunklen Sesseln anders, dezenter eingerichtet ist. Darüber könnte sicher in Abstimmung mit der Bundestagsverwaltung weiter nachgedacht werden.

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