Berlin : Reif fürs Museum: Mehr Besucher aus Berlin denn je

Rückgang der Touristenzahlen wird durch heimisches Publikum nahezu aufgefangen – auch kleine Museen liegen in der Rangliste vorn

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Die Berliner lieben ihre Museen. Im vergangenen Jahr strömten sie sogar noch eifriger in die Häuser als 2001. Das lässt sich aus der Besucherbilanz schließen: Obwohl 2002 weniger Touristen nach Berlin reisten, hatten die Museen nach ersten Schätzungen insgesamt keinen Besucherrückgang. Durchschnittlich 57 883 Menschen kamen 2001 in jedes Berliner Museum – der Bundesdurchschnitt lag bei nur 17 481. Zusammen waren es in Berlin 8,7 Millionen Besucher; eine ähnliche Zahl erwartet die Kulturverwaltung für das Jahr 2002. Die vom Tagesspiegel zusammengetragenen Bilanzen der größten Berliner Museen zeigen ebenfalls halbwegs ausgeglichene Steigerungen und Rückgänge.

In der Konkurrenz der Museen um ihre Gäste setzten sich im letzten Jahr vor allem die beiden „neuen“ Häuser durch: die Alte Nationalgalerie (im Dezember 2001 wiedereröffnet) sowie das Jüdische Museum (seit September 2001). Es verwies das lange Jahre auf Rang zwei geführte Haus am Checkpoint Charlie auf den dritten Platz. Das Jüdische Museum wird zu 50 Prozent von auswärtigen Deutschen und zu 25 Prozent von Ausländern besucht, nur ein Viertel der Gäste sind Berliner. Im Gegensatz zum dortigen Zuwachs gingen bei anderen Häuser, die gleichfalls um Touristen konkurrieren, die Besucherzahlen teils leicht zurück: so im Pergamonmuseum, im Schloss Charlottenburg mit den Nebengebäuden und im Ägyptischen Museum – dessen Besucher einer Studie nach zu 85 Prozent keine Berliner sind.

Ungefähr gleich blieb das Interesse dagegen an Museen, die sehr stark von Schulklassen besucht werden: das Haus am Checkpoint Charlie etwa, das Technikmuseum, die Topographie des Terrors. Auch das Naturkundemuseum blieb auf dem ungefähr gleichen Stand. Der Rückgang bei den in der Stiftung Stadtmuseum zusammengeschlossenen, heimatkundlich ausgerichteten und vorwiegend von Berlinern besuchten Häusern wird dort mit der geringeren Ausstellungszahl erklärt. Dies sei eine Folge knapper Finanzen.

Wie überhaupt die Zahl und Art der (Wechsel)Ausstellungen für die Attraktivität mancher Museen entscheidend ist: So kamen in die Neue Nationalgalerie 2002 nur noch 152 000 Besucher – 2001 waren es 355 000, das war der sechste Rang der Hitliste. Auch das Alte Museum verlor stark und liegt jetzt nur noch auf Platz 11 – was aber in der nächsten Bilanz schon wieder ganz anders sein dürfte: Gegenwärtig werden in New York mit riesigem Erfolg Schätze aus dem Palastmuseum Taiwan gezeigt – im Sommer kommen sie an den Lustgarten. Auch das Deutsche Historische Museum wird sich 2003 wieder über mehr Gäste freuen können: Im Mai wird der Erweiterungsbau eröffnet.

Aber auch kontinuierliche Arbeit zahlt sich aus: So fanden im vergangenen Jahr 162 000 Menschen den Weg in die Dahlemer Museen –16 000 mehr als im Vorjahr. „Wir machen eben viele Sonderveranstaltungen“, so der Leiter des Besucherdienstes, Christoffer Richartz. Für die Berliner Ausstellungshäuser war 2001 ebenfalls ein Rekordjahr: 2,5 Millionen Besucher kamen, darunter 1,4 Millionen zu den „Körperwelten“. how

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