Berlin : Reifen ohne Profil und Piloten ohne Lizenz

Rainer W. During

Seit dem Birgenair-Absturz gibt es strengere Flugzeug-Kontrollen in Tegel, Tempelhof und Schönefeld - doch Exoten schleichen sich immer noch einRainer W. During

Ist mein Urlaubsflieger wirklich sicher? Das fragen sich kurz vor den Ferien wieder viele Berliner. Die Behörden antworten mit Ja. Seit vor gut vier Jahren beim Absturz einer Birgenair-Boeing in der Dominikanischen Republik 176 deutsche Touristen - darunter viele Berliner und Brandenburger - starben, lassen strengere Kontrollen den schwarzen Schafen im Luftverkehr kaum eine Chance. Doch zwischen den renommierten Airlines tummeln sich immer wieder Exoten. 1999 gab es bei 37 der 451 an Berliner Flughäfen überprüften Maschinen Probleme. Neun Flugzeuge erhielten Startverbot. Die Maschinen wiesen Mängel auf oder ihre Besatzungen waren schlecht geschult.

Seit dem 1. Juli 1996 überwachen die 15 Mitarbeiter der "Task Force" des Luftfahrtbundesamtes auf allen deutschen Verkehrsflughäfen stichprobenartig und unangemeldet die Einhaltung der technischen und flugbetrieblichen Vorschriften durch ausländische Luftverkehrsgesellschaften. Nahezu jeder dritte Einsatz der Sicherheitstruppe im vergangenen Jahr fand an einem der drei Berliner Airports statt. Hier gab es 20 Beanstandungen. Drei der insgesamt neun Startverbote sprach die neue Task Force aus, zwei in Schönefeld und eins in Tempelhof. Das bedeutet nicht zwangsläufig kritische Mängel am Luftfahrtzeug, betont die Sprecherin des Bundesamtes, Cornelia Eichhorn. Auch fehlende Versicherungspolicen oder abgelaufene Pilotenlizenzen können Anlass sein, um einen Jet vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen.

Zusätzlich nehmen an den einzelnen deutschen Flughäfen die örtlichen Luftfahrtbehörden eigene Kontrollen an ausländischen ebenso wie an einheimischen Maschinen vor. Davon sind auch kleinere Sport- und Geschäftsreiseflugzeuge nicht ausgenommen, betont Joachim Leyerle vom brandenburgischen Landesamt für Bauen, Verkehr und Straßenwesen. Seine Mitarbeiter untersuchten in Schönefeld 26 Verkehrsflugzeuge und 42 Maschinen der sonstigen Luftfahrt. Es gab zwei Mängelberichte aus technischen Gründen und vier Beanstandungen wegen unvollständiger Dokumente. Einem Passagierflugzeug wurde der Start untersagt.

In Berlin hat die Senatsverkehrsverwaltung die Überwachung der Verkehrsleitung der Flughafen-Gesellschaft übertragen. Bei 32 Kontrollen wurden in Tegel insgesamt fünf Startverbote verhängt, unter anderem wegen abgefahrener Reifen und fehlender Verkleidungen im Frachtraum. In Tempelhof gab es bei 39 Rampenchecks zwei Mängelberichte. Insgesamt fanden 1999 in Schönefeld, Tegel und Tempelhof 217 643 Flüge statt.

Sechs Seiten umfasst ein "Inspection Report", nach dem Lizenzen und Dienstzeiten der Piloten ebenso überprüft werden wie die Sicherheitsausrüstung und der optische Zustand von Triebwerken und Fahrgestell. Rechtsgrundlage ist neben nationalen Luftfahrtgesetzen das Chicagoer Abkommen der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO, das den 185 Mitgliedsstaaten erlaubt, Flugzeuge anderer Vertragsstaaten bei der Landung zu untersuchen.

Die Daten aller in Deutschland an den Kontrollen beteiligten Behörden werden im Kommunikations- und Informationssystem Luftverkehrssicherheit (KISLS) gespeichert. So werden nicht nur Doppelkontrollen an verschiedenen Airports vermieden. Die Crew einer Maschine, an der gestern in München ein Mangel festgestellt wurde, muss damit rechnen, dass bei der Landung in Berlin morgen dessen Beseitigung überprüft wird.Unter der Telefonnummer 0531/2355100 können Bürger beim Luftfahrtbundesamt nachfragen, ob die Fluggesellschaft, bei der sie ihren Urlaubs- oder Geschäftsflug buchen möchten, bereits kontrolliert wurde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben