Berlin : Reimarbeit

In Prenzlauer Berg lernen Jugendliche dichten – unter professioneller Anleitung und kostenlos

Katja Reimann

Lyrik kann nerven. Vor allem Patrick. „Ich lass das jetzt mit den Reimen, da hab ich keinen Bock mehr drauf“, stöhnt er. Egal, ohne Reime kann man auch große Literatur schreiben. Sein Kumpel Christopher hat noch nicht aufgegeben: Er kramt im Lexikon nach einem Wort, dass sich auf „Natur“ reimt. Und möglichst irgendwie Sinn macht.

Eine Handvoll Jugendlicher sitzt im Projektraum der Berliner Literaturwerkstatt in Prenzlauer Berg. Gemeinsam mit Sylvia Krupicka, die ist hauptberuflich Dichterin. „Worauf habt ihr Lust?“, fragt Krupicka in die Runde. Ein Sonett schreiben, eine Glosse, oder vielleicht lieber ein kompliziertes Anagrammgedicht? Gemeinsam diskutieren die Teilnehmer der Gedichtwerkstatt „Dichte Verse“, die von der Literaturwerkstatt und dem Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur Lesart durchgeführt wird, das Programm der nächsten Wochen. Bis zum 18. Dezember wird sich die Gruppe jeden Montag treffen, ihre Arbeiten diskutieren, mit Sprache experimentieren und neue Gedichtformen kennenlernen. Wer will, kann in den nächsten Wochen noch dazustoßen.

„Dichte Verse“ findet dieses Jahr zum ersten Mal in größerem Rahmen statt. Die Veranstaltungsreihe ist etwas Besonderes: Sie ist für die Teilnehmer komplett kostenlos. Die besten Gedichte werden in einer Abschlussveranstaltung vorgestellt und in der Online-Ausgabe der „xyz“, einer Literaturzeitschrift für Jugendliche, veröffentlicht.

Die meisten schreiben schon lange. Jennifer Kulik, 16, sogar schon seit ihrer Grundschulzeit. Oft ist der Inhalt ihrer Texte sehr privat, dann behält sie das Geschriebene lieber für sich. Manchmal zeigt sie die Verse aber auch ihren Freunden – oder den Jungs und Mädchen in der Literaturwerkstatt. Mit Vorlesen ist es aber nicht getan. Zwanzig Minuten gibt Sylvia Krupicka ihren Schützlingen. In dieser Zeit sollen sie einen ersten Gedichtentwurf schreiben. Zu Bildern, die Krupicka zuvor extra farbig kopiert hat. Doch das ist gar nicht so einfach. Die Abbildungen sind abstrakt und wirken mysteriös. Während die Minuten verrinnen, werden einige der jungen Dichter nervös. Eigentlich ist das Ganze nur eine harmlose Übung zum „Einschreiben“. Trotzdem: Die Jugendlichen nehmen ihre Kunst sehr ernst.

Sylvia Krupicka arbeitet seit 1997 mit Kindern und Jugendlichen. Bei „Dichte Verse“ möchte sie den Zugang der Teilnehmer zu Lyrik „über die schulische Interpretation hinaus“ erweitern. Sie wolle die Jugendlichen „zum Schreiben bringen“, so Krupicka. Und wer weiß, vielleicht findet sich im Kreis der jungen Literaten sogar echter „Nachschub für die Szene“.

„Dichte Verse“ findet bis zum 18. Dezember jeden Montag von 16 bis 20 Uhr in der Knaackstraße 97 statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung unter mail@literaturwerkstatt.org oder Tel. 030 485 245.

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