Reine Formsache. Die Fitness-Serie (1) : Hilfe gegen Schmerzen – ganz individuell

Kein Arzt konnte Personal-Trainerin Bianca Pfefferle helfen. Sie fand ein eigenes Rezept. Das gibt sie jetzt an andere weiter.

Anja Brandt
Eine für alle. Gemeinsam mit ihrem Personal-Trainer-Team zeigt Bianca Pfefferle im Spagat bei „Holmes Place“, dass ihre eigenen Rückenschmerzen der Vergangenheit angehören. Ihr Motto: „Wir wollen den Menschen helfen, sich selbst zu helfen.“ Foto: Mike Wolff
Eine für alle. Gemeinsam mit ihrem Personal-Trainer-Team zeigt Bianca Pfefferle im Spagat bei „Holmes Place“, dass ihre eigenen...

Sie hat aufgehört zu zählen, wie oft das Adressfeld in ihrem Personalausweis schon überklebt wurde. „Ich bin wirklich schon sehr oft umgezogen“, erzählt Bianca Pfefferle. Freiburg, London, Berlin – nur einige Stationen im Leben der 27-Jährigen. Eines aber hat sie während all der Jahre immer begleitet: die Liebe zum Tanzen.

Bianca Pfefferle wächst in einem 23 000-Einwohner-Ort im Schwarzwald auf. Sie ist vier Jahre alt, als sie mit dem Tanzen beginnt: Klassischer Tanz und Ballett, außerdem macht sie Kunstturnen. Mit 16 zieht Pfefferle zu Hause aus, geht ins knapp 100 Kilometer entfernte Freiburg und studiert Schauspiel und Tanz. Als 18-Jährige zieht sie nach London und macht dort drei Jahre später ihr Diplom in Tanz. Das Tanzen begleitet sie von morgens bis abends. „Ich habe bis zu sechs Stunden am Tag getanzt“, erzählt Pfefferle, die ganz aufrecht dasitzt. Doch irgendwann machte ihr Körper nicht mehr mit. Pfefferle bekommt Probleme mit den Füßen, mit den Schultern, mit dem Rücken. „Meine Gelenke waren einfach zu flexibel.“ Sie sucht Rat bei Ärzten. Und die geben ihr zwar Empfehlungen, doch es wird nicht besser; die Schmerzen bleiben. Bianca Pfefferle will nicht aufgeben. Sie liest viel. Schon im Studium hatte sie Anatomieunterricht, der sie fasziniert hat. Schließlich macht sie eine Ausbildung zur Gesundheitstrainerin, beschäftigt sich mit Ernährung.

Pfefferle wird noch einmal umziehen. Als die Inhaberin einer Tanzschule in ihrem Heimatort krank wird, entscheidet sich Pfefferle, dorthin zurückzugehen und die Tanzschule zu übernehmen. „Hier lernte ich Menschen kennen, die nach Rückenoperationen unter Schmerzen, Bluthochdruck oder Verkrampfungen litten.“

Pfefferle erinnert sich an ihre eigenen körperlichen Probleme und ihre Hilflosigkeit. Sie weiß, wie quälend das ist. Also gibt sie ihr Wissen an die Betroffenen weiter, trainiert unnachgiebig mit ihnen die Übungen, die auch ihr geholfen haben. „Es ist so viel machbar durch richtiges Training“, sagt Pfefferle. Die korrekte Anleitung sei wichtig. Und dass man kontinuierlich und regelmäßig dabeibleibe. Die Leiden gehen zurück. Rückenschmerzen, Bluthochdruck? Weg. „Es ist etwas Schönes, wenn der Körper sich spürbar verändert“, sagt Pfefferle. Und es sei toll, wenn sich das Leben der Menschen verbessert, „wenn es sich verlängert“. Wieder zieht Pfefferle um. Diesmal in die Türkei, wo sie in einem Hotel Bühnenshows entwickelt. Und schließlich müssen Pfefferles sieben Sachen wieder zurück nach Deutschland gebracht werden: Ihre neue Adresse wird eine Berliner. Hier arbeitet Pfefferle in den nächsten Jahren überwiegend als Personal Trainerin. In den Hoch-Zeiten betreut sie 25 Kunden. „Bei jedem einzelnen beginne ich mit einem langen ersten Gespräch“, erzählt Pfefferle. Es muss herausgefunden werden, was bisher das Problem war. Personal Training sei auch immer ein Coaching, sagt Pfefferle. Bei vielen treffe das Muster „Schokolade als Belohnung“ zu. Die Kunden sollen ihr Problem erkennen und es verstehen. Als Personal Trainerin will Pfefferle „den Menschen helfen, sich selbst zu helfen“. Pfefferle geht auf die mentale Ebene und die physische Ebene ein. Die Trainerin und ihr Kunde formulieren gemeinsam Ziele und arbeiten schließlich an ihnen. Für sich selbst hat Pfefferle einen zuverlässigen Ausgleich: Gelegentlich, je nach Zeit, macht sie noch ihr eigenes Tanztraining.

Im September 2010 passiert wieder etwas Neues in Pfefferles Leben, diesmal aber ist es nicht geografischer Natur. Ihr wird der Posten der Managerin im Fitnessstudio „Holmes Place“ am Potsdamer Platz angeboten. Pfefferle nimmt an.

„Wer weiß, wo es noch hingeht im Leben“, überlegt sie laut. Ihr Fitnessstudio habe ja schon ein Franchiseunternehmen in Indien, stellt sie schmunzelnd in den Raum. Eins aber weiß Pfefferle: Ihr Fixpunkt wird immer ihre Heimat im Schwarzwald bleiben, ihre Freunde und Familie dort. Auch sie konsultieren sie oft als Expertin. „Ich weiß, du bist privat da, aber …“ Richtiges Training verlängere das Leben, das waren Pfefferles Worte. Dreimal darf man raten, was sie ihren Freunden antwortet.

Der nächste Teil unserer neuen Serie erscheint am kommenden Dienstag, dem 6. März.

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