Reine Formsache Folge 3 : Ran an den Speck - Ernährung bei Fettleber

Viele Snacks, viel Weißmehl und Süßes – da leidet das wichtigste Stoffwechselorgan. Die Folge ist im schlimmsten Fall eine Fettleber. Ernährungsberaterin Anne Fleck erklärt, wie eine Intervalldiät dagegen helfen kann.

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Brotlos. Makrele und dazu frisches, am besten gedünstetes Gemüse: So könnte ein Mittagessen während einer Fettleber-Diät aussehen. Kohlenhydrate lassen wir einfach weg. 
Brotlos. Makrele und dazu frisches, am besten gedünstetes Gemüse: So könnte ein Mittagessen während einer Fettleber-Diät aussehen....Foto: i-stock

Jeder kann sein wichtigstes Stoffwechselorgan krank mästen. Er muss sich nur unklug ernähren: regelmäßig zwischen den Mahlzeiten snacken, täglich viel und kohlenhydratbetont essen, häufig Fertigprodukte und Süßes. Noch ehe die Außenwirkung leidet, verleiht man der Freundin im Inneren eine Speckschicht, und die macht lange Zeit noch nicht mal Ärger. 15 bis 30 Prozent der Bevölkerung, schätzen Mediziner, sind von der häufigsten Erkrankung der westlichen Welt betroffen. Und die heißt Fettleber.

„Sie ist tatsächlich oft die Ursache für Übergewicht, nicht umgekehrt“, sagt Ernährungsmedizinerin Anne Fleck. „Denn ist die Leber verfettet, schwächelt der Stoffwechsel. Blutzucker- und Blutfettwerte entgleisen.“ Das merkt man vielleicht an unerklärlicher Müdigkeit und Abgeschlagenheit oder daran, dass man Alltagsbelastungen weniger standhält. Viele Patienten bemerken Schmerzen im rechten Oberbauch. Eine exakte Diagnose stellt der Arzt. Aufschluss bringt vor allem ein Ultraschall der Oberbauchorgane und eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Leberenzyme. Die können, müssen aber nicht krankhaft erhöht sein. Der Arzt kann außerdem den Fettleber-Index bestimmen. Liegt der über 60 und ist die Leber im Ultraschall vergrößert, ist die Diagnose klar. Das sollte man nicht allzu leichtnehmen, die Folgen können sein: schweres Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes Typ II, Arteriosklerose als Voraussetzung für Herzinfarkt und Schlaganfall oder auch Niereninsuffizienz.

Anne Fleck schwört auf die „Logi-Methode“

Medikamentös ist dem Problem nicht beizukommen. Aber mit einer Änderung des Lebensstils: anders essen, öfter auf Alkohol verzichten. Anne Fleck schwört auf die „Logi-Methode“, die durch den Ernährungsmediziner Nicolai Worm bekannt wurde. Heute heißt diese generell empfohlene Ernährungsform einfach „Low Carb“, also kohlenhydratreduzierte Kost. Die Faustformel lautet, vor allem eiweißreiche Lebensmittel plus Gemüse zu essen. Also: Wenn schon Brot, dann Vollkorn, wenn schon Nudeln und Reis, dann Vollkorn. Wenn schon Kartoffeln, dann Pellkartoffeln statt Pommes. Aber eben in Maßen. Auch Vegetarier schafften es, sich eine Fettleber anzuessen, sagt Anne Fleck. „Käsebrot, überbackene Aufläufe, zwischendrin was Süßes. Die Leute glauben, sich gesund zu ernähren, aber genau das Gegenteil ist der Fall: Sie kombinieren Kohlenhydrate und Fett.“ Und auch, wer sehr viel Obst isst, tappt in die Falle – wegen des Fruchtzuckers. Selbst sehr dünne Mädchen, die aus Furcht zuzunehmen keine geregelten Mahlzeiten einnehmen und den Hunger vor allem mit Süßigkeiten stillen, spendieren zumindest der Leber eine Fettschicht.

Täglich zwei Mahlzeiten Shakes und eine Mahlzeit Gemüse

Man kann eine Fettleber konsequent auf Diät setzen, sie in vier bis sechs Monaten erschlanken lassen und stärken. Am effektivsten ist es, über einen Zeitraum von zwei bis zwölf Wochen nach einem vom Arzt kontrollierten Low-Carb-Ernährungsplan in Intervallen zu „fasten“. „Es gibt ärztlich verordnete Formuladiät-Produkte, die den Stoffwechsel der Leber aktivieren“, sagt Anne Fleck. Shakes aus dem Drogeriemarkt enthalten oft zu viel Zucker und zu wenig Eiweiß. Also: In den ersten zwei Wochen täglich zwei Mahlzeiten Shakes und eine Mahlzeit Gemüse. „Am besten, man wiederholt das alle zwei Monate für ein bis zwei Wochen.“ Danach erfolgt die Umstellung auf eine kohlenhydratarme Kost. Wichtig: Gute Öle verwenden, Fisch, mageres Fleisch, Quark plus gedünstetes Gemüse essen. Mehr Gemüse als Obst, nur wenig Beilagen.

„Das bedeutet nicht, rigide auf alle wohlschmeckenden Beilagen zu verzichten“, sagt Ernährungsmedizinerin Anne Fleck. Zwei kleine Hände voll Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln pro Tag sind okay. Den Lebensstil zu ändern, sei entscheidend. Und ebenso, sich an drei Mahlzeiten zu gewöhnen. „Ein Abstand von etwa vier Stunden ist wichtig, um den Insulinspiegel niedrig zu halten und den weiteren Leberfett-Abbau zu fördern.“ Na dann: Ran an den (Leber-)Speck.

www.docfleck.com

Anne Fleck, 42,

Ernährungsmedizinerin und Fachärztin für Rheumatologie in Berlin und Hamburg, ist einer der „Ernährungsdocs“ aus der NDR-Serie

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