Reine Formsache Folge 3 : Rumhüpfen wie eine Unterwasser-Ballerina

Er ist sportlich. Er ist trainiert. Dann probierte unser Kollege Björn Seeling Aquafitness und merkte: "Das geht ganz schön auf die Pumpe."

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Aufgewühlt. Nicht ganz perfekt ist die Haltung der Hanteln – denn die gehören beim Aquafitness unter Wasser.
Aufgewühlt. Nicht ganz perfekt ist die Haltung der Hanteln – denn die gehören beim Aquafitness unter Wasser.Foto: Thilo Rückeis

Halt die Klappe Whitney! „Oh, I wanna dance with somebody“, röhrt sie durch das kleine Schwimmbad. Ich kann nicht mehr! Natürlich ist die Diva nicht von den Toten auferstanden (und vermutlich hätte sie sich dafür auch nicht dieses Business-Hotel am Spandauer Rohrdamm ausgesucht). Vielmehr pumpt Whitney Houstons Stimme aus einem Ghettoblaster und der gehört wiederum Trainerin Brita. 

Sie steht am Rand des Schwimmbeckens, in dem ich gerade japse wie ein Silvesterkarpfen, der aus dem Wasser gezogen wird. Ich bin im ersten Aquafitness-Kurs meines 46-jährigen Lebens, neben mir trainieren Ingrid und Sabine, die fröhlich den Anweisungen der Trainerin folgen. Außer uns dreien ist noch ein gutes Dutzend anderer Frauen und Männer im Becken – die meisten so im mittleren Alter.

Das Überraschende: Ich finde die Übungen ziemlich kräftezehrend und bin beeindruckt, wie die anderen alle mithalten. Okay, als wir einen Sprint auf der Stelle hinlegen – Oberschenkel rauf und runter und die Arme vor und zurück wie 100-Meter-Ass Usain Bolt –, da ruft die Trainerin: „Atmen nicht vergessen“, schließlich geht das Ganze auf die Pumpe. Aber: Alle halten mit.

"Ich weiß nicht, ob die Tropfen auf meiner Stirn Schweiß oder Wasser sind"

„Die Schultern ein bisschen weiter runter, dann ist der Widerstand größer“, raunt mir jetzt von rechts Ingrid zu. Ich lächle etwas gequält und gehe in die Knie, das Wasser steht mit jetzt bis zum Hals, und ich weiß nicht, ob die Tropfen auf meiner Stirn Schweiß oder Wasser sind. Mir ist warm geworden. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Sabine links neben mir zwei Kurzhanteln packt, und schon reicht mir die Trainerin auch ein Paar. 

Natürlich sind die Dinger nicht aus Eisen, sondern aus Schaumstoff. Das hört sich leichter an als es ist: Denn mit den Hanteln pflüge ich jetzt (Brita: „Aber bitte die Arme eng an den Körper!“) durchs Wasser. Die Geräte sind dazu da, den Widerstand zu erhöhen. Das ist so, als würde ich in meiner Mucki-Bude an einer Maschine ein höheres Gewicht einstöpseln.

„Ah, jetzt ist der Bizeps dran“, quittiere ich in Gedanken das Kommando zur nächsten Übung. Ich drücke die Hanteln nach vorn. „Und jetzt der Trizeps.“ Ich presse die Hanteln mit etwas abgewinkelten Armen nach hinten. Das fordert meine Muskeln, aber ich habe das Gefühl, dass es nicht so auf die Gelenke geht wie das Gewichtestemmen an Land. Bei der nächsten Übung mache ich dann so richtig Welle mit den Hanteln und möchte am liebsten „Möööp, möööp“ wie ein Mississippi-Dampfer hupen.

„Die musst du aber unter Wasser drücken“, raunt mir wieder Ingrid von rechts zu und zeigt mir, wie es richtig geht. Auch Trainerin Brita ist meine Schluffi-Haltung schon aufgefallen. Sie macht eine aufmunternde Bemerkung, dass ich lachen muss. Das „Möööp, möööp“ verkneife ich mir.

Die eigene Strandfigur vor Augen

„Vamos a la playa“ dröhnt nun aus dem Lautsprecher und – die eigene potenzielle Strandfigur vor Augen – versuche ich, mich weiter aufs Training zu konzentrieren. Das ist auch nötig, denn es geht hier auch um Köpfchen, Köpfchen. Denn fast jede Übung fordert auch die Koordinationsfähigkeit: Mal stehe ich auf dem linken Bein und muss etwas mit dem rechten Arm machen, mal hüpfe ich im Becken rum wie eine Unterwasser-Ballerina.

Solche Übungen zeigen, dass an dem abgenudelten Sprichwort „Wer rastet, der rostet“ was dran ist. Während ich gerade meinen Rhythmus suche, erinnere ich mich, wie ich vor zwei Jahren in der Mucki-Bude (die ein Schwimmbecken hat!) anfing: Der Trainer scheuchte mich über eine sogenannte Koordinationsleiter, das war ein bisschen so, als würden Kinder Hopse spielen. Anfangs bin ich beinahe verzweifelt, dann klappte es von Mal zu Mal besser. „Ja, die Synapsen verkleben, wenn man nichts macht“, formuliert es Brita nach dem Training etwas drastisch, als wir uns darüber unterhalten.

Aber noch stehe ich im Becken und hoffe, dass ich ganz koordiniert wirke. Jetzt ein letzter Unterwassersprint auf der Stelle, schon naht das Ende der Stunde. Noch einmal wird’s ulkig, als alle kräftig mit dem Hintern wackeln sollen – zu Lockerungszwecken.

Als ich aus dem Becken steige, denke ich: Das war bestimmt nicht mein letztes Mal Aquafitness. Macht richtig Spaß. Oder, Sabine und Ingrid? Möööp, möööp!

Mehr Aquafitness-Kurse

Berliner Bäderbetriebe
Ihr Angebot an Kursen haben die Bäderbetriebe stark ausgeweitet. Junge Trainer halten mehrmals die Woche Aquafitness-Kurse, Flach- oder Tiefwasser, gestaffelt nach Leistungstufen. Die ersten Termine beginnen meist am frühen Abend, oft sind drei Kurse hintereinander im Programm. Die finden meist auch statt, wenn weniger Teilnehmer da sind. So kann sich jeder ausprobieren. www.berlinerbaeder.de


Sportvereine
Auch Aquajogging. www.tu-sport.de und www.berliner-schwimm-verband.de


Volkshochschulen
Angebote in Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf, www.vhs.berlin.de (läuft teilweise unter Wassergymnastik)

FEZ Wuhlheide
Im Hallenbad des Freizeitzentrums Infos unter www.fez-berlin.de

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