Reine Formsache Folge 5 : Ernährung bei Reflux

Magensäure schießt in die Speiseröhre: Gefährlich, wenn es ständig passiert. Dann schützt proteinreiche Kost.

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Eiweiß ist okay. Frischkäse, Fisch, gutes Fleisch, mal ein Rührei – all das kann Sodbrennen vermeiden helfen, ebenso Milchprodukte. Wichtig ist, auf kleine Mahlzeiten zu achten.
Eiweiß ist okay. Frischkäse, Fisch, gutes Fleisch, mal ein Rührei – all das kann Sodbrennen vermeiden helfen, ebenso...Foto: i-stock

Klingt das nicht etwas übertrieben: Ständiges Sodbrennen soll auf Dauer die Speiseröhre verätzen und im schlimmsten Fall zu Krebs führen? „Das Risiko ist realistisch“, antwortet Ernährungsmedizinerin Anne Fleck. Etwa für Menschen, die regelmäßig, vielleicht schon über Jahre hinweg darunter leiden, dass beim Liegen, Bücken, bei körperlicher Belastung oder nachts plötzlich Magensaft zurück durch die Speiseröhre fast bis in den Rachen schießt. Reflux lautet der Fachbegriff. Und die Beschwerden sind ätzend – im Wortsinn. Damit, Medikamente, sogenannte Säureblocker, einzunehmen, ist es auf Dauer nicht getan. Reflux kann viel einfacher, durch eine Umstellung der Ernährung, gelindert oder verhindert werden. Kleine Mahlzeiten, eiweißreiche Kost, Schluss mit Süßem und besonders ungesund Fettem.

Bei Reflux fließt, wie das Wort schon sagt, Speisebrei am oberen Schließmuskel des Magens vorbei zurück in die Speiseröhre. Internistin Anne Fleck folgt dem wissenschaftlichen Ansatz, dass eiweißreiche Ernährung diesen Muskel stärken kann. Das übernimmt eine Substanz, die der Magen produziert: Gastrin. „Je mehr Proteine man isst, umso stärker steigt die Gastrin-Konzentration im Blut.“ Denn das Peptidhormon stimuliert die glatte Muskulatur des Magens.

Bei jedem Essen auf etwas Eiweiß achten

Fleck empfiehlt kleine, häufige Proteinmahlzeiten, fünf bis sechs pro Tag. „Quark oder Rührei, als Snack etwas Käse oder einfach bei jedem Essen auf etwas Eiweiß – Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte – achten. Das ist ein simpler Trick, der bei den meisten funktioniert.“

Vorsichtig sein sollte man bei Zucker-Bomben wie Softdrinks, Säften, Limonaden, denn die stimulieren den Reflux. Das Gleiche gilt in aller Regel für scharf gewürzte oder auch stark säurehaltige Lebensmittel. Sehr fettreiches Essen schwächt den Tonus, also die Muskelspannung des Magens, außerdem. Anne Fleck, die eigentlich sehr für einen täglichen Verzehr hochwertiger Öle ist, sagt: „Ein Refluxpatient muss leider mit der Fettzufuhr haushalten. Zwei Esslöffel pro Tag sind genug.“

Kaffee nur zu den Mahlzeiten

Und es geht noch weiter mit den Don’ts: Kohlensäurehaltige Getränke begünstigen ebenso die Entspannung der Magenmuskulatur wie Alkohol. Weißwein wird meist schlechter vertragen als Rotwein oder Bier. Bei Kaffee, sagt Anne Fleck, gebe es unterschiedliche Erfahrungen. „Ich verbiete Reflux-Patienten Kaffee nicht explizit, wäre aber dafür, ihn vorsichtshalber nicht auf nüchternen Magen, sondern zu einer Mahlzeit zu trinken.“ Zitrusfrüchte, besagten Studien, verstärkten die Beschwerden wegen ihres niedrigen PH-Wertes. Auch rohe Zwiebeln gelten als ungünstig. Blähendes steht ebenfalls auf der roten Liste. Eine ballaststoffreiche Ernährung gilt dennoch als gut, demnach ist es in Ordnung, Brot aus vollem Korn zu essen.

Wem es am schwersten fällt, auf Süßes zu verzichten, kann versuchen, den Zieps darauf zu überlisten – mit Bitterstoffen. Die gibt es als pflanzliche Tropfen in der Apotheke. Sie können den Appetit auf Schokolade, Kuchen und Co. für einige Zeit vertreiben. „Bis zu fünf Tage lang dreimal täglich zwei bis fünf Tropfen pur mit einem Löffel einnehmen“, lautet die Empfehlung von Ärztin Anne Fleck. Wer sich dazu nicht durchringen kann, versucht es vielleicht mal öfter mit Bitterstoffen in Blattform: einem Salat mit Zugabe von Löwenzahn, Radicchio, Chicoree, Endivien. Oder einfach öfter mal ein paar Blätter knabbern – am besten Bioware, da sind die Bitterstoffe noch nicht rausgezüchtet.

Und schließlich kann man noch weitere Kleinigkeiten tun, um – vor allem nachts – nicht von einer selbst produzierten Säureattacke geweckt zu werden. Zum Beispiel: das Kopfende des Bettes etwas hochstellen. Drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen keine große Mahlzeit zu sich nehmen. Noch besser, allein schon, weil es prima zum Thema dieser Serie passt: einen Verdauungsspaziergang machen. Und Stress abbauen – zum Beispiel durch regelmäßige Bewegung.

www.docfleck.com

Anne Fleck, 42,

Ernährungsmedizinerin und Fachärztin für Rheumatologie in Berlin und Hamburg, ist einer der „Ernährungsdocs“ aus der NDR-Serie

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