Reine Formsache Folge 6 : Mit dem Hometrainer ins Wasser

Fahrradfahren im Schwimmbecken? Das gibt’s – und zwar nur einmal in Berlin in einem Bad in Britz. Dabei ist es ein effektiver Ausdauersport, der den gesamten Körper trainiert und dabei noch die Gelenke schont.

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Spurtschnell im Stand. Aquacycling beschränkt sich nicht nur aufs Pedaletreten. Foto: promo
Spurtschnell im Stand. Aquacycling beschränkt sich nicht nur aufs Pedaletreten.Foto: promo

Im AquaCentrum-Britz herrscht karibische Hitze, das Wasser mit 32 Grad ist angenehm. Fünf Frauen in schwarzen Badeanzügen und mit hochgesteckten Haaren begeben sich ins Becken. Die Trainerin legt Reggae-Musik auf. Die Frauen steigen aufs Rad.

Das private Schwimmbad im Berliner Süden ist angegliedert an die Physiotherapie des Betreibers Oliver Biegel. Neben Gesundheitskursen erhalten Kinder hier Schwimmuntericht. Aquafitness-Kurse finden auch statt. Bewegungsbäder gibt es viele in Berlin, das Besondere in Britz ist ein Zusatzangebot: Aqua Cycling. Die Fahrräder, die aussehen wie Hometrainer, hat Biegel gerade selbst nach dem Kinderschwimmen ins Schwimmbecken gehievt. „Die sind aus Edelstahl und können nicht rosten“, sagt er.

Ein Trend der aus Amerika kam

Cycling kam als Trendsport aus Amerika und wird auch Spinning genannt. Die Fahrräder sind sehr teuer, deshalb hat sich die Wasser-Variante nicht durchgesetzt. Oliver Biegels Kurse sind seit Jahren gut besucht, von Frauen wie Männern. Es ist das einzige Bad in Berlin, das Aqua Cycling anbietet.

Die Frauen – alle um die vierzig – nehmen auf den Sätteln Platz. „Auf geht’s!“, ruft die Trainerin. Ihre Stimme kämpft gegen Musik und Wellengang. Alle treten in die Pedale, bis zu den Schultern im Wasser, die Fahrräder verschwinden unter der schwappenden Wasseroberfläche. Die ersten Tritte kommen einem einfach vor, auch wenn ein Paddel zwischen den Pedalen den Widerstand erhöht, damit mehr Kraft aufgewendet werden muss. „Das Tempo zu halten, ist die Kunst“, erklärt Biegel, Physiotherapeut und Aquafitness-Spezialist. Der Sport trainiere die Ausdauer und senke auf Dauer einen hohen Blutdruck. „Aqua Cycling ist für alle geeignet“, sagt er. Ob jung, alt oder übergewichtig. Für Männer und für Frauen.

Jetzt dudelt amerikanische Pop-Musik – und es geht ab in die Rennradposition. „Noch mehr Power!“, fordert die Trainerin gut gelaunt. Dann auch noch Übungen! Der linke Arm bleibt am Lenker, der rechte drückt ins Wasser, schiebt abwechselnd nach vorn und hinten, dann ist die andere Seite dran. Bald darauf wirft die Trainerin jedem Teilnehmer zwei Wasserhanteln zu, die erhöhen den Wasserwiderstand. So werden, auf dem Fahrrad strampelnd, Brust-, Arme und Rückenmuskeln trainiert.

Arme, Beine, der gesamte Körper ist im Einsatz

Das nächste Trainingsgerät ist ein „Power-Stick“, mit dem gepaddelt wird wie beim Kanufahren. „Das mobilisiert die Wirbelsäule.“ Und die ganze Zeit wird weitergestrampelt, dazu kommen Arme und Oberkörper zum Einsatz. „Das freihändige Fahrradfahren stärkt den Gleichgewichtssinn“, sagt Biegel. Der Auftrieb im Wasser schone Gelenke und Bandscheiben. Den gesundheitlichen Aspekt möchte Biegel nicht überbetonen: „Die Leute kommen her, weil sie sich danach wohlfühlen und es Spaß macht.“ Und weil sie sich auspowern können.

Das tun die fünf Frauen auch. Nach 25 Minuten rinnt der Schweiß von der Stirn. Wie angenehm, dass wenigstens der Rest des Körpers im Wasser ist. Jetzt den einen Arm unter den Lenker klemmen, der Oberkörper wandert vor und zurück, die Beine treten weiter, immer schneller. Man fühlt sich schwerelos und doch erschöpft. Schnell ein Griff zur Wasserflasche am Beckenrand.

Am Ende wird noch Koordination trainiert, für die Bauchmuskel-Übungen legen sich alle rücklings aufs Fahrrad. Füße unter den Lenker klemmen, bloß nicht wackeln. So werden ein paar Sit-ups gemacht. Jetzt werden die Haare doch noch nass, Kühlung für den Kopf. Das Schönste aber kommt am Schluss: runter vom Rad, rein ins Wasser, Beine ausschütteln. Geschafft!

Info: www.ac-britz.de

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