Berlin : Reinickendorf: Aus Dalldorf wurde Wittenau

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Seit 650 Jahren gibt es nun den heutigen Ortsteil Wittenau. Als "Daldorph" wurde es erstmals am 11. Juni 1351 in einer noch vorhandenen Urkunde erwähnt, mit der Markgraf Ludwig dem Spandauer Nonnenkloster einen Teil der Steuereinkünfte aus mehreren Dörfern schenkte. Erst 1905 wurde Dalldorf nach dem langjährigen Amts- und Gemeindevorsteher Peter Witte in Wittenau umbenannt.

Sicher ist, dass Wittenau älter ist als 650 Jahre. Nach einer Aktennotiz aus dem Jahre 1551 soll damals noch eine Urkunde von 1322 über die Zusammenlegung der Pfarreien Tegel und Dalldorf existiert haben. Das "Taldorf" - so die Bedeutung des Namens - entstand wohl um 1230. Ältestes noch vorhandenes Gebäude ist die Ende des 15. Jahrhunderts entstandene Dorfkirche.

1805 zählte Dalldorf 176 Bewohner, die von der Landwirtschaft lebten. Hauptabnehmer war die Stadt Berlin, die hier 1880 eine "Irrenanstalt" - die spätere Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik - eröffnete. Durch die 1200 Patienten wurde die inzwischen auf 900 Personen gewachsene Bevölkerungszahl schlagartig mehr als verdoppelt. Bei den Berlinern geriet der Ort prompt in Verruf. 1899 entstand in der Dalldorfer Heide die Arbeitersiedlung Borsigwalde. Als auf Betreiben des Bürgervereins 1905 von Kaiser Wilhelm II. die Namensänderung in "Wittes Aue", kurz Wittenau, erfolgte, hatte die aufstrebende Gemeinde bereits 7422 Einwohner. 1911 wurde das Rathaus fertig gestellt. Gleichzeitig begann die Ansiedlung erster Industriebetriebe.

Mit der Bildung von Groß-Berlin verlor Wittenau 1920 seine Selbstständigkeit. Damals begann der Bau großer Wohnsiedlungen. Er gipfelte in den 60er Jahren im Märkischen Viertel, das die Bevölkerungszahl auf 80 000 emporschnellen ließ. Seit 1999 ist das "MV" ein eigener Ortsteil.

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